Herren der Welt
Von Hans-Joachim Heyer
Aus meinen bisher veröffentlichten Arbeiten geht hervor, daß ich von der Existenz sogenannter "Herren der Welt" überzeugt bin. Je nach Zusammenhang nannte ich sie auch Demiurgen, Kreatoren, Weltschöpfer, Hüter der Weltordnung, Sachverständige für Weltdeutung, Manipulatoren, Welterklärer und so weiter.
Ein weiser Mann sagte einmal, wenn er bloß einen Punkt außerhalb der Welt (des Universums) finden könnte, wäre er auch in der Lage, an diesem einen Hebel anzusetzen, um die Welt aus den Angeln zu heben, bzw. zu verändern. - Aber einen Standpunkt außerhalb des Weltganzen einzunehmen sei nun einmal unmöglich; deshalb sei es auch unmöglich, die Geschicke der Welt zu lenken. Dieser Einsicht (!?) haben sich offenbar viele Menschen angeschlossen. Ich nicht! (Und sicher auch nicht Umberto Eco, sonst hätte er seinen Roman: "Das Foucaultsche Pendel" nicht schreiben gekonnt.) Ich bin davon überzeugt, daß man einen Standpunkt außerhalb der Welt einnehmen kann, denn die Welt ist Objekt (Erscheinung) und ich Subjekt (dem die Welt erscheint, und das folglich nicht zugleich Objekt sein kann.)
Zudem bin ich zur Einsicht gekommen, daß man, je bewußter man wird, man in seiner Umwelt immer mehr bewußte Steuerung erkennt und man dem Zufall immer weniger Platz einräumt. Für mich ist es nicht der Zufall, der die Determination (das notwendige Geschehen) knackt, sondern der freie Wille, der des Zufalls nicht bedarf, (auch wenn die Wissenschaft es immer wieder behauptet.) Ich bin dieser Überzeugung, weil ich an Steuerung von höheren Hierarchien glaube und nicht an blinde Selbstorganisation von unten her. (Begründung siehe Kap.: "Umgekehrte Kausalität" und "Physikalismus versus Spiritualismus".) Die "Bewußtseinsskala" ist meiner Auffassung entsprechend nach oben offen, mit der Konsequenz, daß hohe Bewußtseine sehrwohl die Welt aus den Angeln heben können. Nur ein empirisches Bewußtsein braucht als Voraussetzung die Welt. Es ist dieser notwendig untergeordnet und somit ohnmächtig. (Allerdings versucht es über den langen Umweg der von ihm begründeten Technik Herrschaft über die Natur zu erlangen, erreicht letztendlich nur Zerstörung der Natur und blinde Abhängigkeit von der Technik). Ein absolutes Bewußtsein hingegen beinhaltet Raum und Zeit und diese beiden wiederum die Welt. Menschen, deren Bewußtsein Raum und Zeit umfängt, haben einen Standpunkt außerhalb der Welt eingenommen. Sie sind die "Herren der Welt"
Letztens hatte ich ein interessantes Gespräch mit einem Freund über den Krieg im Kosovo. Der Freund meinte, der Krieg würde die Führungslosigkeit der Welt beweisen; schließlich würden die Amerikaner doch erst um die Weltherrschaft, die sie noch nicht haben, kämpfen. Rußland, China und heimlich auch Europa, würden nichts unversucht lassen, die Weltmachtpläne der Amerikaner zu durchkreuzen. Zwar sei mein "Ideal" immer angestrebt worden, aber es sei noch nie einer Macht gelungen, dauerhaft die Welt zu beherrschen. Jede Macht züchtet automatisch Neider und Konkurrenten, also Gegenmächte, heran, die sie überwältigen werden. Alle großen Reiche sind auf diese Weise zerstört worden, und so wird es immer sein. Das alles beweise doch, daß es keine mächtigen Instanzen über den kriegführenden Parteien gebe.
Ich entgegnete, daß dieses Szenario nur vordergründig stimme; denn es könne nicht allein um Macht gehen, denn Macht sei stets bloß ein Mittel zu einem Zweck, der selber nicht Macht sei. Es gelte, diesen Zweck herauszufinden. Bei dieser Suche habe ich die Erfahrung gemacht, daß die Welt künstlich kompliziert gehalten wird, damit die Völker vom Wesentlichen abgelenkt werden. Immer wenn ein Volk ›drohe‹, durch (Selbst-) Aufklärung zur Vernunft zu kommen, bekommen die Herrscher Angst um ihre Macht und beginnen Kriege. Alle großen Zeiten der Völker waren kleine der Herrscher. Kriege beenden die Erinnerungen, die Erfahrungen, der Völker. Darauf bauen die Herrscher, die nur solange Macht besitzen, wie das Volk in Unmündigkeit lebt. Also muß die Welt unübersichtlich bleiben. Es ist nicht Dummheit der Politiker, wenn die Gesetzgebung ausufert, wenn alle möglichen wichtigen und unwichtigen Skandale in bunter Mischung in allen Zeitungen verbreitet werden, wenn überall Unruhe und Unfrieden herrschen. Es ist die pure Notwendigkeit des Machterhalts. Hierin sind sich alle Herrscher einig. Und deshalb stehen viele von ihnen über dem System der permanenten Kriege, denn sie bedienen sich dieses Instruments in internationaler Einigkeit. Beweis:
Als in den 70er Jahren der vorgebliche "Kalte Krieg" tobte und ich erstmals Zweifel an der politischen Theorie der Demokratie bekam, lauschte ich zwei Jahre lang die deutschen Programme kommunistischer Radiosender wie Radio Tirana, Stimme der DDR, Radio Moskau und dergleichen, um von den erklärten Feinden unserer Demokratie Aufklärung über und gegebenenfalls argumentative Unterstützung für meine Zweifel zu erhalten. Aber Fehlanzeige: Nicht ein einziges mal entlarvten sie unser System. Ich hatte erwartet, die Kommunisten würden erklären, daß eine Demokratie schon rein theoretisch - und erst recht praktisch - unmöglich sei, weil das Volk nur unzureichend informiert sei und somit keine Grundlage einer kompetenten Wahl habe. Aus diesem Grund müßten die Wahlen faktisch wirkungslos gemacht werden - und sie sind es auch! Das heißt: Das Volk kann mittels Wahlen Köpfe austauschen, nicht aber die Politik! Vergeblich wartete ich auf solche Entlarvungen; unterdessen verbreiteten die Sender nur dumme Propaganda, die kein Mensch ernst nehmen konnte.
Hinzu kam, daß ich in unserem Radio und Fernsehen gerade das Gerangel um den sogenannten NATO - Doppelbeschluß miterleben konnte: Die SPD hatte gegen das Geschrei der Opposition den Doppelbeschluß, bei dem es um die "Nachrüstung" mit Pershing - Raketen ging, schon fast durchgesetzt. Dann kamen Wahlen, und aus Regierung wurde Opposition, und aus Opposition wurde Regierung. Die Politik indessen blieb dieselbe. CDU - Kohl führte die Nachrüstung fort - gegen das Geschrei der SPD. Der "Meinungsumschwung" beider Seiten dauerte etwa drei Wochen. Als ich dies erlebte, wurde mir damals vieles klar. Heute sind wir in der Situation, daß SPD und Grüne im Wesentlichen die Politik machen, die zuvor die CDU/CSU gemacht hat. Aus Oppositionspazifisten wie Fischer und Scharping wurden von einem Tag zum andern Regierungskrieger. SOVIEL weltanschauliche Biegsamkeit kann man selbst hochrangigen Politikern nicht zubilligen. Einleuchtender ist die Annahme, die beiden Pazifisten haben Bekanntschaft mit einer höheren Macht, die sich einen Dreck um die Privatphilosophien unserer Politiker schert, gemacht. Ex- Bundeskanzler Helmut Schmidt nannte das seinerzeit in Anlehnung an Max Weber den Wechsel von der Gesinnungsethik zur Verantwortungsethik. Ich nenne das den Wechsel von Selbstbestimmung zu Fremdbestimmung oder von Wille zu Verstand, und es stellt sich die Frage, wessen Wille sich hinter diesem Verstand verbirgt.
Wenn Politiker zum Volk reden, appellieren sie an das Gefühl; wenn sie untereinander sind, gilt der Verstand (der letztendlich auch ihre Macht dient, ob sie es wollen oder nicht). Aus diesem Grund müssen sie alle Versprechungen brechen, denn Gefühle weisen fast immer in andere Richtungen, als der Verstand. Da Weltbilder in der Regel vom Gefühl geprägt werden, müssen die Politiker, sobald sie in die Pflicht ihres Amtes genommen werden, in der Regel dieses verraten und schwenken von der Gesinnungs- zur Verantwortungsethik über. Damit das Volk es nicht merkt, sind die Politiker gezwungen, zu lügen.
Fazit: Der "Feind" wird nicht wirklich entlarvt. Er wird nur zum Schein bekämpft. Also gibt es "Darüberstehende". Nur in "niederen" Bewußtseinsstufen bekämpfen sich die Feinde, zB Serben und NATO-Soldaten, real.
Hast du dich schon einmal gefragt, warum die NATO ihren erklärten einzigen Gegner, Milosevic, verschont und statt dessen die Serben, gegen die offiziell nicht Krieg geführt wird, (Bundeskanzler Gerhard Schröder: "Wir führen keinen Krieg gegen die Serben!") bombardiert? Ein Journalist, der dem deutschen General Naumann exakt diese Frage stellt, erhielt die Antwort, die Bundeswehr würde ihre Liste der zu bombardierenden Ziele aus den USA erhalten, und auf dieser Liste sei Milosevic nicht aufgeführt.
Im Golfkrieg war es genauso: Die NATO machte allein Saddam Hussein für den Überfall auf Kuwait verantwortlich. Trotzdem wurde er verschont und sein Volk und Land zerbombt.
An diesen Beispielen ist zu erkennen, daß es in Wahrheit um andere, als die veröffentlichten Ziele, gehen muß: um Ziele, die nicht mit Demokratie vereinbar sind (?), um GEHEIME Ziele!
Ein Kritiker meiner Meinung wandte ein, es sei doch richtig gewesen, die Serben und nicht Milosevic zu bekämpfen, da Milosevic vom serbischen Volk demokratisch gewählt sei. Deshalb sei das serbische Volk durch den Bombenkrieg zu zwingen, ihren Präsidenten abzusetzen. Hierzu stelle ich die Frage, warum die Serben von der NATO nicht zur Absetzung ihres Präsidenten aufgefordert worden sind. Ich habe jedenfalls in den Nachrichten nicht gehört, daß man die Serben für ihren Präsidenten verantwortlich gemacht hat. Außerdem erinnere ich daran, daß Schröder gesagt hat, die NATO führe keinen Krieg gegen die Serben!
| Wie ich sehen lernte, was Anderen verborgen ist |
An dieser Stelle sehe ich mich verpflichtet, anzumerken, wie ich hier zu meinen Erkenntnissen gekommen bin: Ich war durch rein theoretische Überlegungen zu dem Ergebnis gekommen, daß Demokratie nicht funktionieren könne. Es handelt sich nicht um Erfahrungswissen. Vor dem Hintergrund meiner Theorie betrachtete ich dann die Welt und kam zum Schluß, daß der Konflikt zwischen Demokratien und Kommunistischen Systemen von Darüberstehenden inszeniert sein müsse, da beide Systeme unecht sind. Und da ich die Politiker nicht für dumm halten konnte, mußte ich ihnen Verlogenheit - Manipulation - unterstellen. Diese ganzen Schlüsse sind allesamt Konsequenzen meiner Theorie. Hätte ich keine politische Theorie, hätte ich dem glauben müssen, was man mir gesagt hätte. Einziges Wahrheitskriterium der Theorie: Innere Stimmigkeit bei hoher Komplexität.
Wir sehen, wie wichtig es, ist, eine schlüssige politische Theorie zu haben, um sich überhaupt ein politisches Urteil bilden zu können. Selbstverständlich wissen das die Herren der Welt. Deshalb tragen sie dafür Sorge, daß das Volk kein einheitliches politisches Bild bekommt. Dies wird erreicht, indem man die Menschen widersprüchliche Erfahrungen machen läßt, sodaß der Einzelne aus ihnen nichts Schlüssiges zusammenbauen kann. Einmal erlebt das Volk, daß es die Macht hat, Politiker von ihren Posten zu stoßen, aber es erlebt auch seine Hilflosigkeit, wenn die gerade gewählten Politiker am Ende doch das machen, was sie wollen und sich z. B. die Diäten erhöhen, während sie das Sparen predigen. Es erlebt, wie sich die Politiker ihnen unterwürfig anbiedern, besonders bei TV-Interviews, in Bundestags- und Wahlkampfreden; es erlebt aber auch arrogante Selbstherrlichkeit dieser Damen und Herren, die zum Beispiel fast täglich vom Atomausstieg und Bekämpfung der Arbeitslosigkeit reden und gleichzeitig der Industrie versprechen, hier nichts zu. Es erlebt, daß sich ein Politiker, der um sein Amt fürchten muß, seine Stellung retten kann, indem er einen Krieg anzettelt, der Millionen Tote kosten kann, und es erlebt, daß derselbe Politiker (aber auch jeder andere) durch einen einzigen Sexskandal oder eine aufgedeckte kleine Bestechlichkeit zu Fall gebracht werden kann. Es erlebt, daß ein Land einem anderen inoffiziell Waffen und Rohstoffe liefert, während es offiziell gegen es Krieg führt und wirtschaftlich boykottiert.
Die wirkliche Politik ist streng geheim, weil wir in Wahrheit gar nicht in einer Demokratie leben, sondern in einer Oligarchie, die sich ein demokratisches Schafspelzmäntelchen umgehängt hat. Wir werden regiert von einer Gruppe Menschen, die selbst weltanschaulich über den permanenten Konflikten steht; diese jedoch schürt und immer wieder neue Brände legt, um in der so gewonnenen Unübersichtlichkeit unerkannt wirken zu können.
Ohne Theorie ist der Mensch blind. Es ist nicht möglich, ohne Theorie irgend etwas zu sehen, z. B. Arbeitslose. Wenn du keine Theorie des Arbeitslosen im Kopf hast, kannst du nirgendwo einen sehen. Dann siehst du überall nur geschäftige Leute herumwuseln. Wenn du keine Theorie vom Sinn der Arbeit hast, siehst du nur sinnloses Herumwuseln. Wenn du keine Theorie von Zeit und Raum hast, siehst du nicht einmal das Wuseln. So einfach ist das. So geheim ist das. Ja es ist geheimes Wissen, daß man Theorien haben muß. Ich lerne in der Universität, daß man durch Theorien nur voreingenommen werde, daß man keine guten Noten erhält, wenn man eigene Theorien aufstellt. Wir lernen, daß Theorien gleich Ideologien seien und daß die Zeiten der Ideologien seit dem Untergang des Kommunismus vorbei sei. Demokratie sei in Wahrheit ein theorieloses Herumwursteln - reine theorielose Praxis - und sei gerade deshalb das beste aller schlechten "Systeme". Wer nach einer Theorie lebt, gilt als inflexibel, als gehirngewaschen. Verheimlicht wird also, daß Theorien gleich Sinnesorganen sind, die man sich selbst zu - und bei Bedarf wieder ablegen kann.
Daß es Herren der Welt geben müsse, habe ich mir in erster Linie theoretisch erschlossen. Und erst die Theorie schuf mir das Auge, sie und ihr Tun wahrzunehmen. Ich bin nun in der Lage, meine Theorie empirisch auf Richtigkeit zu prüfen. Vor der Theoriebildung war das nicht möglich.
Ich zog also aus meinen Erlebnissen mit dem öffentlichen Geschwätz der Politiker und der Journalisten (vor dem Hintergrund meiner Theorie) folgenden Schluß zum Thema des Krieges im Kosovo: Nach dem Krieg werden wir andere Besitzverhältnisse, andere Grenzen, andere Bevölkerungen vorfinden, und wir werden sehen können, wer den Schaden und wer den Nutzen hatte. Wird die NATO gestärkt oder geschwächt aus dem Konflikt hervorgehen? Wird die UNO eine größere oder eine kleinere Rolle spielen? Wird Amerika oder Europa - wird Rußland stärker? Wir werden es sehen. Immer wieder heißt es, kein Mensch könne das alles vorausberechnen. Aber ich sage, man soll nicht von seiner Verwirrtheit auf die Anderer schließen. Es muß Leute geben, die den Überblick haben, und sie könnten identisch mit denen sein, die Interesse an der Unübersichtlichkeit der Welt haben: den Herren der Welt.
Wer im Sein und nicht im Schein lebt, kann sehrwohl das alles voraussehen. Über jedem Klugen steht mindestens noch ein Klügerer. Intelligenz zeichnet sich dadurch aus, daß sie Zusammenhänge zu erkennen vermag, wo weniger Kluge noch Zufall und/oder Unberechenbarkeit vermuten.
Um die Herren der Welt aufzuspüren, ist es trotzdem nicht sinnvoll, sie in politischen Kreisen zu suchen und sich politikhistorisch kompetent zu machen. Wesentlich mehr Aussicht auf Erfolg verspricht mir die Beschäftigung mit der Philosophie. Die Philosophie spielt in der Öffentlichkeit keine Rolle. Philosophie ist megaout! Ein Philosophiestudium taugt zu keiner Berufsausübung. Ich aber habe den Wert der Philosophie erkannt und ihre Vernachlässigung in Schule, Beruf und Öffentlichkeit beobachtet. Da ich die Herren der Welt für klug halte, gehe ich davon aus, daß die Geringschätzung der Philosophie von denen gewollt ist. Da sie selbst Philosophen sein müssen, schließe ich, daß sie ihre Philosophie exklusiv für sich behalten und nicht mit der Bevölkerung teilen wollen. Jetzt brauche ich nur noch nach jenen philosophischen Systemen Ausschau zu halten, die in den Universitäten stiefmütterlich behandelt oder gar falsch interpretiert werden. Und siehe da: Es gibt ein philosophisches Gut, das öffentlich nicht gelehrt wird. Es gibt philosophische Tabus. Genau hier muß ich das Exklusivwissen suchen, das die Herren der Welt für ihresgleichen allein beanspruchen. Es ist das Wissen, das einen Menschen befähigt, einen Standpunkt außerhalb der Welt einzunehmen. Andererseits fand ich auch philosophisches Lehrgut (besser: Leergut), für welches eine riesige Propaganda gemacht wird: Der Positivismus, der Behavourismus. Wer diese unsäglichen Positionen propagiert, darf damit rechnen, ein Stipendium in Amerika und einen Lehrstuhl in Deutschland zu erhalten.
| Theorie über das Wesen der Herren der Welt |
Im Buch "Autobiographie eines Yogi" von Paramahamsa Yogananda steht die schöne Geschichte vom Schüler Lahiri Mahasaja, der von seinem Spirituellen Meister Babaji in den Himalaja gerufen wird. Dort stellt der Meister an seinem Schüler fest, daß dieser noch über Bindungen an die illusionäre Energie des Irdischen leide, denn er habe seine jugendliche Sehnsucht, einmal in einem reichgeschmückten Schloß zu wohnen, immer noch nicht völlig überwunden. Also schuf der Meister, während beide vor einer einsamen Höhle saßen, vor den Augen Mahasajas mit einem Fingerschnippen ein riesiges Schloß aus Gold, mit Kronleuchtern aus Diamanten und mit erlesenen Speisen, die von Dienern aufgetragen wurden. Nach zwei Tagen des Staunens und der Meditation im Schoß des Schlosses war die letzte Bindung des Schülers an die Illusion erloschen, und mit einem weiteren Fingerschnippen des Meisters verschwand das Bauwerk wieder.
Was hat Lahiri Mahasaja wirklich erlebt? Was hätte ein anwesender Naturwissenschaftler aus dem westlichen Kulturkreis gesehen? Ich bin mir sicher, daß Mahasaja genau das erlebt hat, was er geschildert hat, und daß ein Wissenschaftler nichts als zwei Menschen vor einer Höhle gesehen hätte. Wie ist das möglich?
Unterschiedliche Theorien machen es möglich. Ich möchte nun die Theorien des Wissenschaftlers und des Yogis von meinem Standpunkt aus schildern. Der Wissenschaftler hat die Theorie, daß nur der eine Kollektivtraum namens "Welt" "Realität" genannt werden dürfe, und daß alle anderen Träume "Schäume" seien, die man nicht ins Bewußtsein rücken läßt. Real ist in den Augen des Wissenschaftlers ausschließlich das, was auch alle anderen Menschen wahrnehmen können. Da das Schloß dieses Kriterium nicht erfüllte - der Wissenschaftler nahm es nicht wahr - konnte das Schloß nicht real sein. Die Yogis haben indessen schon sehr viel über den Unterschied und die Ähnlichkeiten zwischen "realer Welt" und Träumen meditiert und erkennen - rein theoretisch - die Gleichstellung der Traumwelten neben der realen Welt an. Und da Theorien gleich Sinnesorgane sind, erlebten die Yogis das Hineinreichen von Erscheinungen eines Traumes in einen anderen.
Dabei darf allerdings nicht unterschlagen werden, daß die Träume der meisten westlichen Menschen durch seelische Zerrissenheit dermaßen verhunzt sind, daß sie tatsächlich keinen Wert besitzen. Was also die Gleichwertigkeit von Traum und Realität anlangt, gilt also nur für die Träume und die Realität von Yogis. Ich habe an mir selbst die Erfahrung gemacht, daß meine Träume sich immer weniger von meinem Wacherleben unterscheiden. Meine Träume sind von beinahe derselben Qualität wie mein Wachleben, mit nur einem Unterschied: daß ich im Traum erlebe, was ich des Tags nur abstrakt denke. Dafür erlebe ich des Tags das, was ich des Nachts abstrakt denke. Das kommt daher, daß ich nach langer Übung meine Träume so exakt zu deuten vermag, daß ihre innere Logik der des Tagesbewußtseins in Nichts nachsteht. Träume und Gedanken des Tages verschmelzen so zu einer Ganzheit. Dies eröffnet die Möglichkeit, daß Traumbilder formend auf die Außenwelt wirken.
Der Yogameister initiierte in der Seele seines Schülers einen Traum vom Schloß. Da Yogis Realität anders definieren, als Naturwissenschaftler, war das Schloß im Kollektivtraum der beiden Yogis real; für den mit den Westlern kollektiv träumenden Wissenschaftler war das Schloß bloß ein Hirngespinst. Babaji ist ein großer Meister, denn er versteht es, Träume in andere Seelen zu projizieren. Wenn er gewollt hätte, hätte auch ein anwesender Wissenschaftler das Schloß gesehen. Aber das hätte Babaji sicher sehr angestrengt, denn Westler sind äußerst hartnäckige Ignoranten anderer Realitäten. Und spätestens ein paar Stunden nach seinem Erlebnis hätte der innere Zensor des Wissenschaftlers, der nur eine Welt zuläßt, die Sache bereinigt, indem er plötzlich "verstanden" hätte, einer traumähnlichen Halluzination aufgesessen gewesen zu sein; er würde sich schämen und seine geistige Entgleisung geheim halten. Und die Welt des Wissenschaftlers wäre wieder in Ordnung.
Wenn ich mich also frage, wie ich einen "Herren der Welt", einen Babaji, finden kann, gibt es nur eine brauchbare Antwort: Ich muß ihm ähnlich werden, denn Gleiches zieht Gleiches an. Selbstverständlich habe ich es schon versucht, möglicherweise mit Erfolg. Ich lebe beständig in meinem harmonischen Netz aus Traumwelten und dieser sogenannten "realen" Welt. Ich komme damit nicht durcheinander - wie es bei Schizophrenen, den gescheiterten Magiern, geschehen ist - weil ich alle bedingten Welten fein säuberlich voneinander trennen und vom Unbedingten unterscheiden kann. Ich weiß, welche Projektion von welchem Kollektiv mitgetragen wird: das Schloß von Mahasaja und Babaji; die Höhle von diesen beiden und dem Wissenschaftler. Übrigens: Ich erlebte diese Fähigkeit, halluzinierte Traumbilder in andere Köpfe zu projizieren, erstmals an mir selbst, als ich mit einem Schizophrenen zusammen war: Plötzlich sah ich seine Halluzinationen - seltsame Schatten - in meinem Zimmer umherhuschen! Der "Kranke" hatte diese Bilder in meinen Geist projiziert. Seit damals verstehe ich, warum normale Menschen sich so sehr vor Schizophrenen fürchten und sie wie Verbrecher einsperren. Sie erleben, wie sie in Anwesenheit Verrückter selbst verrückt zu werden drohen.
| Intellektuelle Anschauung |
In dieser Welt ist es schwer - zumindest für mich - materielle Gegenstände aus meinen Träumen in diese Welt hineinzuprojizieren, sodaß auch andere Menschen sie wahrnehmen. Immanuel Kant nannte diese Fähigkeit "Intellektuelle Anschauung". Sein äußerst komplexes, widerspruchsfreies System verlangte diese Fähigkeit. Kant fügte jedoch hinzu, daß sie nicht dem Menschen, sondern ausschließlich Gott zukomme. Ich allerdings bin der Ansicht, daß - zumindest im Traum - auch der Mensch dazu fähig ist, denn im Traum werden gedankliche Vorstellungen dinglich sichtbar. Und wenn es in Traumwelten möglich ist, sollte es auch in der "realen Welt" möglich sein, falls diese Welten größere Ähnlichkeit aufweisen, als im westlichen Kulturkreis bisher angenommen wird. Und bei großer Ähnlichkeit sollte auch gegenseitige Durchdringung der Welten möglich sein. Unter Durchdringung verstehe ich, daß z.B. ein geträumter Gegenstand in der realen Welt sichtbar wird.
Mir ist die "intellektuelle Anschauung" in unterschiedlichem Maße gelungen: Ich kann praktisch jederzeit einen "meditativen Blick aufsetzen" und dann (am besten vor dunklem Hintergrund) in die Luft starren und sehe dann überall Nebel wabern und fließen. Die Fließrichtung kann ich willentlich beeinflussen; bis zu einem gewissen Grade kann ich ihn auch zu einer Kugel formen und verdichten. Für andere Menschen sichtbar machen konnte ich ihn jedoch möglicherweise erst einmal, denn während einer dieser Übungen, die ich gemeinsam mit einem Freund durchführte, sagte dieser plötzlich: "Ich habe jetzt auch Nebel produziert!" Entweder war es so, wie er es gesagt hatte oder er hatte "meinen" Nebel gesehen.
Bilder in andere Gehirne zu produzieren scheint also recht schwer zu sein. Aber wie steht es mit Gedanken? Ganz sicher gilt in hohem Ausmaß der Satz: "Wes Brot ich eß, des Lied ich sing." Die Soziologen haben schon ziemlich genau erforscht, daß und wie Menschen ihre Weltbilder und Denkstrukturen an ihre äußere Umgebung (und diese ist nicht die objektive Welt, sondern die Deutung der maßgeblichen, vorbildlichen Herren der Welt!) anpassen. Siehe hierzu DEGUFORUM 18, S. 32: Berger/Luckmann: "Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit." Hier werden mittelbare Wege (Erziehung, Nachahmung) der Kollektivierung der Gedanken aufgezeigt. Aber was hat es mit den unmittelbaren "Wegen" auf sich, zu denen ich mein Erlebnis mit dem Schizophrenen und die Projektion des Schlosses in den Geist Mahasayas zähle? Ich habe es schon oft erlebt, daß ich einen eingefleischten Materialisten innerhalb kürzester Zeit von meinen Ideen überzeugen konnte, aber sobald er wieder aus der Türe war, fiel er wieder in seine alten Denkgewohnheiten zurück und konnte sich kaum noch daran erinnern, was ich gesagt hatte.
Ich kann mir das nur so erklären, daß die Menschen sehr leicht Denkmuster aus unbewußten Bereichen ihres Geistes ausgraben und mit ihrem ICH verbinden können. Aber ebenso leicht können diese auch wieder begraben werden, es sei, sie bewähren sich (z.B. dadurch, daß man feststellt, nun mehr Gleichgesinnte zu finden). Dann können sie sich stabilisieren. Mich erinnert das Hervorrufen solcher Denknetze in anderen Menschen an Geisterbeschwörung. Gibt es Menschen, die das in großem Maßstab praktizieren?
In der gegenwärtigen Naturwissenschaft wird davon ausgegangen, daß sich komplexe Strukturen blind aus primitiven Strukturen entwickeln. Es sei hier an Hoimar von Ditfurths Buch "Am Anfang war der Wasserstoff" erinnert, wo beschrieben ist, wie aus dem einfachen Wasserstoff immer komplexere Strukturen entstanden sind bis hin zum menschlichen Gehirn und dessen Spitzenleistung "Bewußtsein" am Schluß der Entstehungskette, das als das Komplizierteste des bekannten Universums gilt. Ich hingegen behaupte das Gegenteil! Was v. Ditfurth beschrieben hat, ist nicht die Natur, sondern die Entwicklung in der Natur. Die Physik kann nämlich erst dann einsetzen, wenn es Raum, Zeit, Kausalität usw. bereits gibt - wenn es also die ganz großen Strukturen bereits gibt. Die drei oben genannten Aprioris gelten im gesamten Universum; sie können sich nicht aus Einzelteilen wie Wasserstoffatomen zusammengesetzt haben. Erst umgekehrt wird ein Schuh daraus! Zuerst war der bewußte Geist. Und aus dieser größten aller Strukturen entstanden über Reduktionsschritte die kleineren. Der Geist schuf sich Raum, Zeit, Kausalität, Materie usw., dann demn materiellen Leib samt Umwelt bis hin zum Kleinsten, dem Wasserstoff.
| Physikalismus versus Spiritualismus |
Die Physikalisten stimmen durchaus den Erklärungen des Radikalen Konstruktivismus zu, daß jeder Mensch in seiner eigenen kognitiven Welt lebt, daß also das "reale Gehirn" Daten erhält, deren Herkunft und Inhalt es errät und geordnet darstellt.
Es stellt fest, daß einige Daten selbstfabriziert sind und andere nicht. Also erfindet das reale Gehirn ein Innen und ein Außen. Dem Innen werden die selbstfabrizierten Daten zugeordnet; dem Außen die Fremddaten. Nun entwickelt das reale Gehirn Ordnungsmodelle für das Außen. Eine Möglichkeit ist die Ordnung in einem Raum/Zeit - System, in welchem Körper vorgestellt werden, die Ursache von Daten sind. Können alle Fremddaten mit diesem Außenweltmodell deckungsgleich dargestellt werden, gilt das Modell als passend und der Realität angemessen. Auf diese Weise entsteht im realen Gehirn eine kognitive Welt. Die kognitive Welt kann dabei völlig anders sein, als die reale Welt; zwingend sei allein eine 1 : 1 - Zuordnungsfähigkeit der Daten, z.B. zwischen elektromagnetischer Wellenlänge und Farbe. Die Daten allerdings kommen ursprünglich aus der realen Welt. Diese müsse es zwingend geben, sodaß sich folgendes Weltmodell ergibt:
Aus einem erst später zu erläuternden chaotischen Gebrodel einer Ursuppe "subatomarer Energien" entstehen zuerst kleine sich selbsterhaltende dynamische Strukturen, die aufgrund ihrer Selbsterhaltung trotz der Dynamik Stabilität erreichen. Diese kleinsten Regelkreise - später Wasserstoffatome genannt - bilden größere Regelkreise, zB Wasserstoffwolken. Diese organisieren sich weiter zu Sonnen und Galaxien 1., dann 2. Ordnung. Schließlich bilden sich Planeten, auf diesen Leben und letztendlich, entsprechend der Evolutionstheorie, bewußtes Leben, das sich dann kognitive Welten vorstellt, in welchen die oben beschriebenen Prozesse modellhaft nachgestellt werden und ihre Namen - zB Wasserstoff - erhalten. Demnach gibt es eine reale Welt und viele kognitive Welten (in den materiellen Gehirnen der Lebewesen), die allerdings nur mehr oder weniger adäquate Rekonstruktionen und Simulationen der realen Gehirne sind. Die subjektiven kognitiven Welten (zu denen auch die materiellen (kognitiven) Gehirne zählen) werden mittels Sprache und Handeln der Menschen einander in einem kulturellen Prozeß einander angeglichen, sodaß auch hier ein Anschein von Objektivität entsteht. Dieser Anschein sei natürlich illusionär; nicht Illusion sei allerdings die unsichtbare reale Welt dahinter.
| Die Position der Spiritualisten |
sieht folgendermaßen aus: Sie sehen das Entstehen von kognitiven Welten nicht erst am Ende einer blinden Evolution, sondern sehen es ganz am Anfang. Was die Physikalisten als physikalische Prozesse erachten, die erst viel später zu Kognition führen, erkennt der Spiritualist als ebenfalls kognitive Prozesse.
Physikalische Prozesse sind kognitive Prozesse!!
Demnach ist das Gebrodel am Uranfang ein Träumen, und die erste Materie, zB Wasserstoff, ein erster Traum, von Kant "intellektuelle Anschauung" genannt. Der Wasserstoff - von Physikalisten durchaus als kognitive Anschauung akzeptiert, ist bereits von Anfang an Anschauung und nicht erst am "Ende" eines langen Evolutionsprozesses.
Aus dem Gesagten geht hervor, daß der Spiritualismus mit weniger Parametern auskommt und komplexer ist, als der Physikalismus. (Er enthält ihn als kognitive Welt). Folglich nimmt er eine höhere Wahrscheinlichkeit für Wahrheit ein, als dieser.
Gravierende Unterschiede zwischen diesen beiden Betrachtungsweisen Einunddesselben ergeben sich in der Anwendung der Erkenntnisse. Die Beschreibung vom Standpunkt eines Subjektes kann sofort vom Subjekt angewendet werden; (ich nenne diese Anwendung die KUNST); die Beschreibung des physikalistischen Standpunktes hat genaugenommen den StandPUNKT aufgegeben, zerstört Handlungswissen und Bewußtheit des Subjekts, führt also nicht zu subjektivem, sondern nur zu objektivem, fremdbestimmtem Handeln: zur Technik. Der homo technicus ist der standpunktlose, zerstreute Mensch, das arbeitsteilige "Rädchen im Getriebe" - selbst Maschine. An einer objektiven, realen Welt kann ich kaum etwas ändern, denn die Naturgesetze lassen sich nicht verändern.
Aber wenn alles nichts als ein Gesellschaftstraum ist, kann ein bewußtes Wesen alles ändern, sogar die Parameter der Welt. Der Mensch ist dann nicht mehr passiver Erforscher einer gegebenen Welt, sondern Weltenschöpfer: Magier. Und zwar Verzauberer seiner Selbst und seines Spiegels, der Welt. Er ist Anwender der KUNST! Der Physikalist kann nur Technik entwickeln, kommt aber selbst (subjektiv) nicht weiter; er wird bloß von externer Technik äußerlich objektiv weitergetragen und wird Gefangener seiner Schöpfung und Sklave der jeweils etablierten Kausalkette.
Die Praxis der Magie ist wissenschaftlich nicht beweisbar. Wenn der Magier die Welt (die bekanntlich ausschließlich in der Gegenwart existiert) verändert, entsteht sofort rückwirkend eine neue Vergangenheit, denn die Kausalität wird in die Welt stets hineingesehen, wie Kant ganz richtig feststellte. Die willentlichen, indeterminierten, verändernden Eingriffe bleiben so stets unsichtbar, und die Welt bleibt in der Anschauung (also empirisch) stets kausal und determiniert. Somit sind die Eingriffe des Magiers unsichtbar, außerweltlich.
Die Evolutionstheorie ist falsch. Sie kann nicht zeigen, wie Lebendiges aus Totem entstanden sein soll; bis heute gilt ihr der Leib der Lebewesen als aus toten Atomen bestehend. Die Evolution, die Materie allgemein, ist nichts als kausale Anschauung des allgegenwärtigen ewigen Weltgeistes.
Die Tatsache, daß man den langen Weg des Physikalismus bis zum bewußten Sein wesentlich abkürzen kann, macht die spiritualistische Position plausibler, als jene, denn sie entspricht mehr dem Wahrheitskriterium der hohen Komplexität bei innerer Stimmigkeit, als der Physikalismus, der wesentlich mehr zusätzliche Annahmen machen muß, um sein System zu begründen. Dies ist der Beweis dafür, daß die Materie aus dem Geist hervorgegangen ist und nicht umgekehrt, wie die Wissenschaft behauptet! Und jetzt erst wird die Aussage von Jesus verständlich, der sagte: "Ich bin, ehe die Welt geschaffen wurde."
Entsprechendes gilt für Babaji und die Herren der Welt. Zuerst war der Mensch da, dann schuf er sich die Zeit und mit ihr seine Geschichte. Erst seit der Mensch eine Geschichte hat, hat er sich rückwirkend als Erscheinung vor drei Millionen Jahren aus dem Affen entwickelt. Ein Beispiel soll diese Aussage verdeutlichen: Wenn ich mir eine neue Funk-Uhr kaufe und eine Batterie einsetze, zeigt sie das gegenwärtige Datum an, z.B. 1999. Diese Anzeige könnte uns verführen, anzunehmen, die Uhr würde seit eintausendneunhundertneunundneunzig Jahren laufen, denn wir können ja beobachten, daß die Anzeige jedes Jahr um eine Einheit weiterrückt. Das sagt uns die Erfahrung, die wissenschaftliche Empirie! Trotzdem ist diese Annahme falsch, wie wir wissen. Bei Uhren machen wir den Fehler nicht, aber bei der Berechnung des Alters des Universums und der Menschheit: Wir sehen den heutigen Zustand und die heutige Geschwindigkeit der Entwicklung. Daraus berechnen wir, daß es das Universum schon seit etwa 15 Milliarden und die Menschheit seit ein paar Millionen Jahren gibt. Daß es ausschließlich Gegenwart gibt, und daß Zeit ein Produkt der KUNST ist, ist den Wissenschaftlern uneinsehbar.
Wir sind also nur in unserer falschen Anschauung unserer selbst die Endglieder einer 15 Mrd. Jahren langen Kette. Und in dieser falschen Anschauung ist unser Geist ein Produkt unseres evolutionär entstandenen Gehirns. Klar, daß man bei dieser Anschauung nicht auf die Idee kommen kann, mit dem Geist auf das Gehirn zu wirken. Ich jedoch habe die Kausalkette umgedreht und kann mir folglich sehr leicht vorstellen, daß mein Geist willentlich mein materielles Gehirn, den Körper bis hin zur materiellen Welt verändern kann - rückwirkend eben, in genau derselben Reihenfolge, wie die Welt wirklich entstanden ist.
Die Herren der Welt wissen dies natürlich. Sie haben ihre persönliche Geschichte mit der falschen Kausalität überwunden und agieren aus der ewigen Gegenwart heraus. Sie sind nicht nur ewige Seelen wie alle anderen Menschen auch - sie sind sich dessen bewußt! Und ausschließlich darauf kommt es an! Denn allein als bewußtes Wesen kann man die Zeit umkehren und beherrschen, d.h. neutralisieren, zu Ewigkeit machen. Die Herren der Welt sind nicht mehr an den blinden Mechanismus der Wiedergeburt gebunden; sie können sich bewußt überall zu allen Zeiten materialisieren, weil sie sich mit ihrer ewigen Seele identifizieren und sich aus ihrer Allgegenwart heraus zu beliebigem Zeitpunkt und jedem Ort materialisieren können. Sie sind Meister der KUNST. Indem sie ihre Träume und die sog. "reale Welt" auf eine Stufe stellten, lernten sie, ihr Bewußtsein über die einzelnen Welten (Raum - Zeit - Gebilde) zu stellen. So konnte das absolute Bewußtsein wieder über das empirische dominieren.
Sind Wesen mit solchen Fähigkeiten überhaupt noch als Menschen zu bezeichnen? Ich denke ja, denn Menschen, die ihr gesamtes Potential leben, sind mehr Mensch, als Menschen, die sich auf einen rein materiellen Aspekt reduziert haben. Man kann allein dadurch, daß man sich nicht als Endprodukt einer langen Entwicklung, sondern als Anfang aller möglichen Entwicklungen sieht, ein unglaubliches Potential eröffnen. Was kann ein Endprodukt schon tun? - Es kann seine Geschichte fortstricken, also zerfallen. Aber Anfang zu sein bedeutet unendliche Schöpferkraft zu besitzen: "Alles ist möglich dem, der glaubt!" Jetzt erst wissen wir, was Glauben wirklich heißt: Sich als Ursprung erkennen! Die Kirche hat freilich alle religiösen Begriffe nachhaltig verdorben. Laß dich nicht davon irre machen.
Wie findet man die Herren der Welt? Es ist ganz einfach: Sie finden dich. Denn sie spüren es sofort, wenn jemand mittels seines Geistes bewußt in den kollektiven Traum - diese Welt - eingreift, wenn er die KUNST beherrscht. Sie beobachten dich, um zu prüfen, ob du mit deiner Kraft verantwortungsvoll umgehst, zum Beispiel, ob du deine Verantwortungsethik stets der Gesinnungsethik dienen läßt oder, mit anderen Worten: ob dein Verstand der Liebe dient. Man darf alles tun und alles denken, wenn es aus Liebe geschieht - sogar die Menschen verachten. Aber wer die Menschen verachtet, ohne sie zugleich zu lieben, hat versagt. Ihm wird jede weitere Einweihung versagt und er versinkt wieder im Strudel der Unwissenheit.
Am 19.5. hielt in der Universität Mainz ein gewisser Prof. Dr. Fritz Graf von der Uni Basel im Rahmen des "Studium generale" den Vortrag: "Mythos und Magie", in dem er über magische Praktiken (hauptsächlich Schadenzauber) in der Antike berichtete. In der anschließenden Diskussion fragte ich ihn: "Gibt es Magie?" Seine Antwort (sinngemäß): "Wenn Sie daran glauben - also z.B. dann, wenn es keine naturwissenschaftliche Erklärung gibt."
Zuerst hielt ich diese Antwort für eine Ausflucht. Aber im Gespräch im kleinen Kreis danach entpuppte sie sich als sehr aussagekräftig. Wissenschaft entzaubert die Welt! Sie zerstört Magie - ist aber selbst ebenfalls Magie! Einziger Unterschied: Sie ist (im Unterschied zur antiken Magie, die mehr lokale Formen hatteä) global und wird heute nicht als Magie erlebt, sondern als Spiegel der Wirklichkeit, weil man zwischen Glauben und rationalem Vernunftdenken zu unterscheiden können glaubt. Früher, als die Magie noch funktionierte, wurde auch diese nicht als Glaube empfunden, sondern als reines Vernunftsystem, als Wissenschaft. Der heutige Glaube, die Wissenschaft beschäftige sich mit der Wirklichkeit und die Magie mit irrealen Einbildungen, bewirkt, daß Wissenschaft als Magie funktioniert und die alte Magie ihre Zauberkraft eingebüßt hat.
Die KUNST ist dem "kleinen Mann" verlorengegangen. Und damit er seine Kleinheit nicht zugeben muß, leugnet er die Existenz der "Herren der Welt".
Nachtrag II: Ein Experte für die Kantsche Philosophie, dem ich meine These, daß das Schwarze, das ich mit geschlossenen Augen sehe, der Raum - und damit eines der Kantschen a prioris (Bedingungen für Sinneswahrnehmungen) - sei, antwortete, das sei alles Quatsch, denn das Schwarze sei Anschauung und nicht dessen Bedingung. Ich gab zu, daß sein Einwand für die Farbe "schwarz" gelte, nicht aber für die Unendlichkeit des damit eingefärbten Raumes, denn Unendlichkeit "erscheine" uns immer da, wo es und an Anschauung mangele. Wir müssen unterscheiden zwischen der Leere, die wir schwarz sehen und dem Raum, der unendlich sei.
Nun rückte der Experte Kants Raum an eine völlig andere Stelle, als ich es tat. Zuerst komme das a priori Raum. Durch ihn strukturiert erscheine der Mensch (im Raum), der dann in seinem Gehirn das erzeuge, was ich Raum nenne. - Meiner Ansicht nach macht hier der Experte denselben Fehler wie der Physikalist einige Kapitel zuvor in dieser Arbeit. Um hier allerdings ganz sicher zu gehen, werde ich mich allerdings noch einige Zeit mit Kants "Kritik der reinen Vernunft" beschäftigen müssen.
Gefragt, was denn der Hauptunterschied der Menschen, die die KUNST beherrschen, zum "normalen" Menschen sei, antwortete ich, der Meister der KUNST denke primär analog; der "normale" in Kausalketten innerhalb der Erscheinungswelt. Dies trete zum Beispiel ganz deutlich im Unterschied der Klassischen Medizin zur esoterischen Medizin zutage: Bei der Klassischen Medizin sind Krankheitsursachen immer Störungen der kausalen Chemischen Prozesse im Körper, sodaß Überschüsse oder Mängel an Stoffen entstünden, die mittels chemischer Medikamente ausgeglichen werden könnten. Die esoterische Medizin verfahre bei Krankheiten genau wie beim Träumedeuten: Sie fragt nicht nach körperlichen Ursachen für körperliche Leiden, sondern nach geistigen Ursachen: Welche geistige Fehleinstellung führte zu dieser körperlichen Krankheit? Man sollte seine Krankheiten deuten wie Träume. (Sehr zu empfehlen in diesem Zusammenhang sind die Kassetten "Unser Körper - Die Bedeutung der Krankheitsbilder" von Dr. med. Rüdiger Dahlke, in "ROAD UNIVERSITY", zu beziehen bei: "Komplett-Media GmbH, D- 82031 Grünwald, Tel.: (089) 6 49 22 77.). Hier fand ich grandiose Beispiele für analoges Denken.
Mehr zum Thema "Analoges Denken" finden sie auch im folgenden Artikel: