Die Zukunft ist nicht vorbestimmt!
von Roland M.Horn
Das Buch zum Thema: Roland M. Horn: 2000 Der große Umbruch, Böhlau-Verlag Wien
1998, ISBN: 3-205-98997-X 171 Seiten, gebunden Preis: 29.80 DM
| 1998 - Jahr der Naturkatastrophen |
"1998 war das Jahr der Naturkatastrophen", konnten wir zur Jahreswende in der Saarbrücker Zeitung lesen * "Wetterphänomene wie "El Nino" gab's schon immer. Der Raubbau an der Umwelt läßt aber ihre Auswirkungen immer verheerender werden" heißt es weiter. Der Zeitungsartikel beschreibt die Eisstürme in Kanada, die Killerwelle Tsunami und die Jahrhundert-Überschwemmungen in China, sowie die durch den Hurrikan "Mitch" verursachten Hochwasser und Erdrutsche im Herbst- "Sind die Phänomene bereits Vorboten einer globalen Klimaverschlechterung?'" fragt sich Utia Thiede, die Autorin des Artikels. Dafür sieht der Klimaforscher Mojib Latif vom Max-Planck-Institut jedoch keinerlei Hinweise.
Auch bei uns in Deutschland spielt das Wetter verrückt. Von einem "frühlingshaften Jahresausklang" schreibt passend die gleiche Zeitung. Am 27. Dezember waren 16,8 Grad gemessen worden, was den Dekadenrekord nur knapp unterbot: Nur am 25. Dezember 1983 wurden höhere Temperaturen gemessen. "Schnee auf Mallorca, minus 25° in Italien" konnten wir Ende 1998 lesen.2 Ein heftiger Wintereinbruch in den USA forderte 30 Tote "Notstand! Von Chicago bis nach Florida hat der Winter Einzug gehalten: Tote, Verletzte, keine Flüge und kein Strom", schrieb die Saarbrücker Zeitung Anfang des Jahres, 3 und nur einen Tag später sprach sie bereits von 56 Toten. Es soll sich um die heftigsten Schneestürme im Mittleren Westen seit drei Jahrzehnten gehandelt haben- Mittlerweile sprach man von 56 Toten. Während Chicago eingeschneit war, regnete es in New York und New Jersey ohne Unterlaß.4
| Für 1998 prophezeite Katastrophen traten nicht ein |
Nun ist zwar 1998 zum "Jahr der Naturkatastrophen" erklärt worden, aber viele von Hellsehern für dieses Jahr prophezeite (beinahe durchweg negative) Ereignisse sind nicht eingetroffen. Viele Seher sahen das Jahr 1998 als ein Jahr der Katastrophen voraus, die sich im Jahr 1999 noch steigern sollen. Allerdings wurden weit schlimmere Katastrophen vorausgesagt, als jene, die tatsächlich eingetroffen sind. Das Alte Testament deutet an verschiedenen Stellen Klimaänderungen für die "letzte Zeit" an, und viele Hellseher sind der Meinung, daß es gerade kurz vor der Jahrtausendwende nicht nur zu verheerenden Klimaänderungen, sondern auch zu kriegerischen Aktionen kommen wird. So ermittelte Stephan Bemdt, der die Aussagen zahlreicher Seher computermäßig analysiert hat (Prophezeiungen zur Zukunft Europas. Weilersbach 1997), daß Rußland bald in Mitteleuropa einfallen würde. 1998 hielt er für den wahrscheinlichen Zeitpunkt, wenn er auch 1999 nicht ganz ausschließen wollte.5 In einem Interview, das er dem Magazin Focus gab, wiederholt er die von ihm erstellten Analysen: Der dritte Weltkrieg, ausgelöst durch den Einfall der Russen in Mitteleuropa, eine darauffolgende dreitägige Finsternis, eine riesige Flutwelle und ein Polsprung würden auf uns zukommen.6 In diesem Interview ist von 1998 nicht mehr die Rede. Hier wird wie selbstverständlich nur noch von 1999 gesprochen. Wie dem auch sei, erst jetzt, nach dem 1998 - das er ursprünglich für das wahrscheinlichere Zieljahr gegenüber l999 hielt - zu Ende gegangen ist, will Bernd laut Focus sein Domizil auf Grund der zu erwartenden Tsunami-Flut in höhere Gefilde verlegen.
Der Geologe Alexander Tollmann (Das Weltenjahr geht zur Neige. Wien 1998) sieht für 1999 einen folgenschweren Kometenfall voraus. Er glaubt - basierend auf die "von geologischer Seite verwertbaren Informationen von Sehern" - weiter, daß das Leben auf der Erde 1999 durch diesen Impakt ein apruptes Ende finden könnte. Der Kometeneinschlag sei latu Tollamnn unausweichlich. Ray Nolan (Die siebte Posaune. München 1998) beschreibt die Folgen eines solchen Impaktes für den Menschen bis ins Detail. Genüßlich schildert er, wie Menschen langsam ersticken.
"Die Hellseher tappten 1998 im Dunkeln" behauptet Edgar Wunder, Soziologe und Vertreter der Gesellschaft zur wissenschatlichen Untersuchung von Paraphänomenen (GWUP) und verweist darauf, daß - ginge man nach den Aussagen von Hellsehern - der Papst seit 1991 jedes Jahr hätte sterben müssen. (Anm. d. Red.: Edgar Wunder ist im Dez.`98 von allen Funktionen innerhalb der GWUP zurückgetreten und wurde vom GWUP-Vorstand aus seiner Funktion als Skeptiker-Redaktionsleiter entlassen. Siehe Presseschau) Auch Prognosen wie "tödliches Attentat auf Jassir Arafat", "Flugzeugabsturz mit Michael Jackson an Bord" und ähnliches traf nicht ein. Anderseits wurden die Levinski-Affaire und das Zugunglück in Enschede nicht vorausgesehen. Auch die prophezeite Wiederwahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler und den Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch Deutschland trafen nicht ein. Wunder zählt noch eine Reihe von Prophezeiungen für 1998 auf, die jedoch nicht eintrafen.7
| Erstaunlich genau eingetroffene Prophezeiungen konkreter Ereignisse... |
Nun ist es allerdings so, daß es Propheten gibt, die durchaus korrekte Prophezeiungen gemacht haben - und zwar sehr genaue- Der amerikanische Heiler und Seher Edgar Cayce sagte beispielsweise ein Ereignis voraus, mit dem wirklich nicht zu rechnen war: Über die späte Periode der Zeitspanne zwischen 1958 und 1998 sagte Cayce voraus: "Denn Veränderungen kommen, das kann sicher sein - eine Entwicklung oder Revolution in den Ideen des menschlichen Denkens. Deren Grundlage für die Welt wird schließlich aus Rußland kommen. Nicht der Kommunismus, nein. Sondern eher das, was die Basis desselben ist, was Christus lehrte - seine Art von Kommunismus." Cayce sagte außerdem die weltweite Wirtschaftsdepression von 1929 sowie den Börsenkrach voraus, weist aber - richtigerweise - darauf hin, daß es ab 1933 wirtschaftlich wieder aufwärts gehen würde. Cayce nannte die Anfangs- und Endjahre der beiden Weltkriege, und er sagte den Zusammenschluß von Deutschland und Österreich während des Krieges voraus, und ebenso schien er den Anschluß Japans zu erahnen. Cayce prophezeite den Untergang Hitlers zu einer Zeit, als jener überall Siege feierte. 1932 sagte der Seher den wirtschaftlichen Aufschwung von Virginia Beach und Norfolk für die Zeit um 1957 voraus, und genau zu diesem Zeitpunkt wurde dort der "Hampton-Roads-Bridge-Tunnel" eröffnet, und die Arbeiten am "Chesapeake-Bay-Bridge-Tunnel" wurden aufgenommen (Hom 1998, S. 65). Es gibt noch weitere Beispiele.8
Der biblische Prophet Hesekiel sagte in Kapitel 37 seines Buches die staatliche Wiederherstellung Israels voraus, und auch andere alttestamentliche Propheten wie Micha, Amos und Joel deuteten ein derartiges Ereignis am "Ende der Zeit" an. Und sogar Jesus äußerte sich in dieser Weise: (...) und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen und in die Gefangenschaft unter die Heidenvölker weggeführt werden, und Jerusalem wird von den Heiden zertreten werden, bis die Zeiten der Heiden abgelaufen sind."9 Auch die biblischen Propheten haben noch weitere Dinge - wie Jesaja die Geburt und Einzelheiten aus dem Leben Jesu10 - korrekt vorausgesagt. Für diesen Artikel sollen diese Beispiele jedoch einmal genügen.
| ...und nicht eingetroffende Voraussagen der gleichen Propheten |
Der Fall des Kommunismus und die Wiederherstellung Israels waren nun wirklich nicht leicht vorherzusagen. Haben Hesekiel und Edgar Cayce tatsächlich die Gabe der Prophetie? Nun hat Cayce allerdings auch eine Demokratisierung Chinas und verheerende, die Erde umwälzende Katastrophen für die Zeit vor Ende 1998 vorausgesagt.11 Diese Prophezeiungen sind allerdings nur im Ansatz zu erkennen. Die angekündigten Groß-Katastrophen blieben aus. Und Hesekiel hatte für die Zeit unmittelbar nach der Gründung Israels den Einmarsch einer Truppe aus einem großen Land aus dem Norden vorausgesehen (Hes. 38 u. 39), das der Beschreibung nach eigentlich nur die Sowjetunion sein kann. Diese Truppe hätte durch ein Erdbeben auf den Bergen Israels vernichtet werden sollen- Doch auch diese Prophezeiung traf nicht ein.
| Zwei verschiedene Zukünfte? |
Der Autor Francis King (Nostradamus. Stuttgart 1994) betont ausdrücklich, daß Nostradamus uns ab 1999 zwar mit dem Schrecken des Krieges und der Verwüstung, aber auch mit einem goldenen Zeitalter konfrontiert. Auch jüdische Gelehrte sehen das Jahr 2000 als das Ende eines Shermiat und als Beginn einer Periode an, in der utopischer Friede herrschen wird. Dies wird von vielen Esoterikem als der Beginn des Wassermann-Zeitalters angesehen, in dem es nicht mehr so barbarisch zugehen soll wie in den letzten Jahrhunderten. Und auch der alttestamentliche Prophet Jesaja sagt ein "Tausendjähriges Friedensreich" voraus.12
Bei der Betrachtung der Vierzeiler des Nostradamus fällt - zumindest wenn wir King folgen - auf, daß jener uns offenbar mit zwei verschiedenen Zukünften konfrontiert. Mit einer, die in ein goldenes Zeitalter führt und einer, die in die Katastrophe fahrt.
King bezweifelt, daß die Zeit tatsächlich linear "fließt". Seiner Meinung nach sollte sie eher durch einen "Baum" dargestellt werden, bei dem der Stamm die Vergangenheit ist, der sich immer wieder in neue parallele "Aste" abspaltet. Das hieße, es gäbe eine Unzahl paralleler Universen, von denen unseres nur eines ist. Unsere Wirklichkeit wäre dann nur eine von vielen Wirklichkeiten, die vor langer Zeit dem gleichen "Stamm" entsprangen, die sich aber mittlerweile unzählige Male verzweigt haben. Die Verzweigungen sollen immer dann stattfinden, wenn ein bewußtes Wesen eine Wahl zwischen zwei oder mehreren Handlungen trifft. Nach dieser Theorie gibt es folglich eine Unzahl von "Zukünften".
Diese Gedanken sind keine bloßen Hirngespinste. Ernsthafte Wissenschaftler setzen sich mit dem Gedanken auseinander, ob es möglicherweise tatsächlich mehrere Universen geben könnte. So halten sie es für durchaus denkbar, daß es viele getrennte Universen gibt. Möglicherweise war der Urknall kein einmaliges Ereignis. Vielmehr hätte die Schaffung von wäre demnach keine einzelne Erscheinung, sondern es kommt mehrfach vor. Die Vertreter dieser Theorie gehen davon aus, daß die Mehrzahl der Universen unbewohnt seien. Vielleicht sind einige dem unseren ähnlich, andere wiederum nicht. Einige Universen existieren nur kurz, vielleicht minutenlang, und andere werden möglicherweise Billionen von Jahren alt. Vielleicht existieren Miniaturuniversen sowie Riesenexemplare. Diese Überlegungen sind keine reine Spekulation, sondern sie resultieren aus der Quantenkosmologie. Moderne Physiker wie Hugh und Everett sind Vertreter dieser Vielewelteniheorie. Sie sind allerdings der Meinung, die verschiedenen Universen könnten nicht miteinander in Interaktion treten. Dessen ungeachtete scheinen einige parapsychotogische Phänomene eine derartige Interaktion doch anzudeuten, und auch King sieht deutliche Hinweise dafür. Er erkennt zwei "Zukünfte", die ab der heutigen Zeit bei Nostradamus beschrieben werden: Da ist einmal die Zukunft, in denen Kriege und Naturkatastropen die Welt erschüttern, und die mit der Zeit, die die Bibel "große Trübsal" nennt identisch sein dürfte und in der Cayce große geologische Umwälzungen sieht, und da ist jene Zukunft, in der Nostradamus ein "Goldenes Zeitalter" sieht, das mit dem "1000- jährigen Friedensreich" der Bibel und den Erkenntnissen jener Astrologen identisch ist, die eine friedvolle Zeit voraussehen, die sie gemäß dem Vorrücken der Tag- und Nachtgleichen in ein anderes Tierkreiszeichen das Wassermann-Zeitalter nennen.
Die Prophezeiungen vom Goldenen Zeitalter decken sich, wie wir gerade gesehen haben, mit judischen Überliegerungen einschließlich alttestamentlicher Prophezeiungen. Und auch Edgar Cayce spricht von einer neueren und besseren Weltordnung, was sich wiederum mit den Prophezeiungen der Astrologen und Esoteriker bezüglich des kommenden Wassermann-Zeitalters deckt.
Die zweite parallele Zukunft, die Nostradamus gemäß King sah, deckt sich wiederum mit den Prophezeiungen des Edgar Cayce, und Katastrophen werden, in nicht zu knappem Ausmaß auch in der Bibel vorausgesagt.
| Weltuntergang oder goldenes Zeitalter?
|
Im Neuen Testament scheint auf den ersten Blick eine Reihenfolge erkennbar zu sein: Da ist die Rede von Katastrophen, die im Vorfeld der Wiederkunft Jesu stattfinden, und dann folgt -nach dem Aussortieren das "Gottlosen" - das von Jesaja prophezeite Friedensreich.13
Nun ist es aber kaum denkbar, daß zuerst ein weltuntergangähnliches Szenario mit Meteoriteneinschlägen, Sturmfluten usw. stattfindet, an das sich dann ein Goldenes Zeitalter anschließt. Entweder es kommt das eine, oder beides, oder keines von beiden.
| Ist die Zukunft festgelegt? |
Cayce selbst sagte, die Zukunft des Menschen sei nicht unabänderlich festgelegt. Vielmehr könne man durch Gebete den Lauf der Erde beeinflussen.
Großer Beliebtheit erfreuen sich die Begriffe "positives und negatives Denken". Joseph Murphy proklamiert in seinem Buch "Die Macht ihres Unterbewußtseins", wir würden bei einem Gebet unser Unterbewußtsein ansprechen - unser Unterbewußtsein, das in Bildern denkt- Ein Gebet, das von mehreren Menschen ausgesprochen würde, könne demnach bis ins "kollektive Unbewußte", von dem schon Carl Gustav Jung sprach, vordringen und somit auch größere Veränderungen bewirken oder verhindern.
Und ist - wenn wir einmal den Begriff "negatives Denken" eingehen, nicht allerorten eine Selbstnegierung zu spüren? Ist es nicht so, daß viele Menschen davon überzeugt sind, daß gewisse Erfindungen der letzten Jahrzehnte zum Ende der Menschheit führen könnten? Sind nicht viele - vor allen Dingen religiöse - Menschen, der Ansicht, eine Vernichtung der jetzt lebenden "bösen" Menschheit sei eine gerechte Strafe für die Frevel, die der Mensch seiner eigenen Rasse und der Umwelt antut? Ist dieses Negativdenken am Ende möglicherweise genauso gefährlich wie die unseligen Erfindungen und die Machenschaften skrupelloser Macht-habender selbst - wenn nicht noch gefährlicher? Werden Sie - die unbewußten Befehle an unser Unterbewußtsein - letzendlich zu einer Katastrophe führen, in der die Erde stark beschädigt oder gar zerstört wird?
Auf der anderen Seiten sind aber da die notorischen Postitivdenker, die felsenfest davon überzeugt sind, daß wir in einer besserern Zukunft entgegengehen. Geben Sie damit über ihr Unterbewußtsein Befehle ans kollektive Unbewußte weiter, nach denen die Erde nicht nur bestehen bleiben soll, sondern daß sie einer goldenen Zeit entgegengeht?14
Das Fazit ist ganz einfach: Wir alleine sind für unsere Zukunft verantwortlich! Wir sind den düsteren Weltuntergangsprophezeiungen keineswegs hilflos ausgeliefert, Kein Prophet hat je eine unabänderliche Voraussage getätigt. Wir selbst können wählen, welchen Ast im "Baum der Zeit" wir ansteuern, wohin wir gehen wollen- Die Zukunft ist nicht vorbestimmt - sie ist noch nicht geschrieben, und wir selbst können durch unser Denken und Handeln bestimmen, welche Prophezeiungen eintreten werden und welche nicht.
1 Saarbrücker Zeitung vom 29. Dezember 1998, S. 17
2 Bild am Sonntag vom 27. Dezember 1998, S. 14.
3 Saarbrücker Zeitung vom 4.1.1999, S. 17
4 Saarbücker Zeitung vom 5.1.1999. S- 18
5 Berndt, Stefan: Prophezeiungen zur Zukunft Europas. Weilersbach 1997, S. 179 u. S- 190
6 Focus53/98,S. 53
7 Saarbrücker Zeitung" vom 29.12.1998, S. 12
8 Horn, Roland: 2000 Der große Umbruch. Wien 1998, S- 65 u- 66
9 Luk. 21 V. 6-28. Menge-Übersetzung
10Jes-49ff
11 wie Anm. 5
12 Jes. 65 V. 17-25, Luthertext von 1914
13 Horn 1998. S. 139ff
14 Horn 1998, S. 143 + 144