Liebe Leserinnen und Leser des DEGUFORUM,
in unserem kleinen Mitarbeiterstab ist Zeit die knappste Ressource. Somit möchte ich Sie um Entschuldigung für das verspätete Erscheinen bitten und mich gleichzeitig für die Aufmerksamkeit bedanken, die Sie unserer Arbeit schenken. Gern nehmen wir Ihr Lob und auch Ihre Kritik entgegen. Da wir stets darum bemüht sind, ein Informationsangebot zu schaffen, daß mit Ihren Interessen korrespondiert, finden wir es nur schade, wenn uns die so notwendige Anregung erst mit einer Abbestellung oder Absage zugeht. Denn nur im Dialog mit unserer Leserschaft können wir unsere Arbeit erfolgreich gestalten.
Es ist richtig, wie von manchen bemängelt wurde, daß die Darstellung konkreter Fälle in den letzten Ausgaben zu kurz gekommen ist.
Die meisten der uns zugetragenen Fälle, bei denen es sich fast ausschließlich um Sichtungsmeldungen handelt, bieten keinen hinreichenden Gehalt an Informationen, um ermittelnd tätig zu werden. In einigen Fällen haben wir keine Erlaubnis zur Publikation erhalten, in anderen Fällen haben wir aus Gründen der Seriosität darauf verzichtet. Ereignisse, wie der von uns recherchierte "Heidelberg-Fall", sind selten. Dennoch wollen wir es nicht versäumen, unseren Lesern die Interessantesten der uns zugehenden Berichte vorzustellen. In diesem Heft finden Sie eine Auswahl. Wo angebracht, haben wir erläuternd und kritisch kommentiert.
Einige unserer bisherigen Beiträge, wie zum Thema "Zeit“ oder "Konstruktivismus", dienten vor allem dem Zweck, den Stand eines oft jahrelangen Diskurses zu dokumentieren, der im kleinen Kreis derjenigen stattfindet, die ihren gegenseitigen Austausch von Erkenntnissen und Anschauungen in gutem persönlichen Kontakt gestalten können. Schließlich stellt das UFO-Phänomen nur eine Facette des Themenkomplexes dar, dem wir unsere Aufmerksamkeit widmen. Den Raum, den einige der oft schwer verständlichen Beiträge einnahmen, wollen wir künftig wieder dem UFO-Thema zur Verfügung stellen.
Auch wenn diese Ausgabe des DEGUFORUM nicht ganz den Umfang vorausgegangener Ausgaben erreicht, halten Sie wieder ein Heft mit einer großen Fülle an unterschiedlichen Themen in Ihren Händen. Wie immer gilt auch diesmal unsere Aufforderung, das Für und Wider des hier Vorgestellten in den Kontext Ihrer eigenen Weltschau zu ordnen und sich selbst ein Bild zu machen.
Denn mehr als je einer anderen Generation zuvor, ist uns die Möglichkeit dazu gegeben, unsere individuellen Weltmodelle und die ihnen zugrundeliegenden Wertevorstellungen auch im Entwurf eines von uns selbst bestimmten Lebenslaufs zu leben. So bemerkt der Kolumnist der FAZ ganz richtig, wenn er feststellt, daß Werte alles mögliche seien mögen, nur nicht ewig:
"Da sie nicht ontologisch fundiert sind, bestehen sie nur im Modus des Geltens: Es gibt nichts Gutes, es sei denn, man tut es (Erich Kästner). Was Werte sind, und worauf sich ihre Geltung gründen soll - ebendies bleibt philosophisch nicht sauber aussagbar. Das notorische Begründ-ungsdefizit von Werten muß deshalb kompensiert werden: mit permanenten Appellen in der Rhetorik des Brusttons. Niklas Luhmann war einer derjenigen Beobachter der inflationären Werterede, die am eindringlichsten auf ihren tendenziell ideologischen Charakter hingewiesen haben. Werte sind ‚nichts anderes als eine hochmobile Gesichtspunktmenge', schreibt er in "Die Gesellschaft der Gesellschaft'. "Sie gleichen nicht, wie einst Ideen, den Fixsternen, sondern eher Ballons, deren Hüllen man aufbewahrt, um sie bei Gelegenheit aufzublasen, besonders bei Festlichkeiten.' Wenn Werte trotzdem hin und wieder überzeugen, dann allein deshalb, weil in der Kommunikation die Einwände fehlen; nicht deshalb, weil man sie begründen könnte'. Wer ungeachtet dessen Werte als ewige Wahrheiten ausgibt, muß argumentativ ständig zu "kleinen Mogeleien' (Luhmann) Zuflucht nehmen, damit der Zuhörer, nichts merkt und die jeweiligen Werte als unverzichtbar durchgehen läßt."
Wer sich allerdings angesichts dieses Relativismus der Werte von der Welt getäuscht sieht, und die großen, einfachen Erklärungen sucht, weil die Rationalität und der Reduktionismus naturwissenschaftlicher Erkenntnismethoden und die Naturwissenschaft schlechthin der Antwort schuldig bleiben muß, "was man tun und wie man leben soll", mag sich in einem antiwissenschaftlichen Affekt antiwissenschaftlichen Ideologien zuwenden.
Das Bekenntnis der gegen die Wissenschaft Verschworenen lautet: Keine Naturwissenschaft kann beanspruchen, universal gültige Wahrheiten über die objektive Wirklichkeit ans Licht zu bringen - alles sei eine Sache der Perspektive, auch die scheinbar härteste Tatsache relativ. Was Normalbürger für wahre Aussagen über die objektive Wirklichkeit halten, seien alles nur "soziale Konstrukte". Zugang habe der Mensch ja immer nur zu der Wirklichkeit in seinem Kopf: also zu deren Repräsentationen. Und diese seien immer sozial - oder kulturell - bestimmt, infiziert von der aktuellen Machtlage.
Diese Form des Perspektivismus macht die Naturwissenschaften zu einem von einer und für eine "Interpretationsgemeinschaft" hervorgebrachten "Diskurs", der nur für diese vorläufige Gültigkeit besitzt und dessen Erkenntnissen nichts Objektives und Universales eigen ist. Alles soll relativ sein - nur der Perspektivismus selbst offenbar nicht.
Heiko Ernst schreibt in "Psychologie Heuteö(4/99): "Es erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich, daß wir über die besten Wissensspeicher und Informationsmöglichkeiten in der Geschichte der Menschheit verfügen können - und daß damit ein galoppierender Schwund an kritischen Denkvermögen einhergeht. Zwar sonnen wir uns in den Glanztaten des wissenschaftlichen Denkens, wir sehen uns selbst als "Wissensarbeiter" und "Symbolanalytiker". Information gilt als der wichtigste Rohstoff unserer Zeit - und doch blüht der Aberglaube, und neue Abgründe des Unwissens und der Dummheit tun sich auf. Umberto Eco scheint recht zu behalten mit seiner Beobachtung:
Die Menschen glauben in der wissenschaftlich entzauberten Welt nicht nichts, sondern alles."
Andreas Haxel