Information
Suchen
DEGUFO.de
home News Bilder Sichtungen Links Hot Topics Deguforum Degufo Chat Gäste Diskussion Kontakt
DEGUFORUM
Editorial
Buchbesprechungen I
Corso: Der Tag nach Roswell
Langbein: Parapsychologische Phänomene
Geheimnisvolle Welten
Däniken: Zeichen für die Ewigkeit
Buchbesprechungen II
Fischinger: Göttliche Zeichen
Wilson: Tagebuch einner Entführten
Hopkins: Entführt ins All
Diskussion/Hypothese
Kommentar zum Cenap Report 242
Über Weltverschwörungstheorien
Fallanalyse
Das Phantom
Geheimakten freigegeben
Interessante Sichtung über Heidelberg
Weitere Sichtungsmeldungen
Ausgabe 15
 

Neue Ausgabe des DEGUFORUMs
• Inhalt
•  Abonnement
•  Übersicht
Die Akte DegUFOrum
Die Akte DegUFOrum


 
Bücher
Englische Bücher
Suchbegriffe:
In Partnerschaft mit Amazon.de
 
Diskussion/Hypothese

Kommentar zum CENAP-REPORT Nr.242 (5/97), S.40/41

Werner Walter befindet sich im Krieg. Den Massenselbstmord der "Heaven`s Gate"-Leute sieht er als Beweis dafür, daß alle Menschen, die dem UFO -Phänomen weder gleichgültig noch ablehnend gegenüberstehen, schlichtweg geisteskrank sind und aus dem Prozeß der öffentlichen Meinungsbildung ausgeschlossen werden müssen - der geistigen Volksgesundheit zuliebe. Einer dieser Geisteskranken, die es zu bekämpfen gilt, ist seiner Auffassung nach auch meine Wenigkeit. Also sollten meine obige Worte mit Vorsicht genossen werden. Lassen wir besser den gesunden Menschenverstand des Werner Walter zu Worte kommen (S. 3):

"Aber nach "Heaven`s Gate" ist zumindest für uns alles anders geworden und wir sehen den großen Gesamt-zusammenhang für unsere Mitverantwortung als kritische und investigative UFO - Forscher für die Ausbildung all der "geistigen Krebsgeschwüre" im Feld, auf deren Mist genau das geschehen konnte, was passiert ist. Wir UFO - Skeptiker waren nicht effektiv genug - und: Wir dürfen es auch gar nicht sein, weil die Öffentlichkeits schaffenden Medienhuren dies nicht wollen und damit den Nährboden für allerlei Wirrheiten, Spinnereien und Irrigkeiten auf dem UFO - Gebiet fördern, deren Wachstumsviren direkt aus dem Hintern der UFOlogie entwuchern."

In diesem Sinne - und in diesem schon fast wieder lesenswerten Stil - breitet WW auf vielen Seiten seines CENAP- REPORTs den "Heaven`s Gate" - Fall aus und läßt Revue-passieren, was die "Medienhuren" in letzter Zeit so alles auf den Tisch gebracht haben: RTL - Mysteries v. J. Draeger, PRO 7 "Dark Skies", SAT 1: "Vera am Mittag: Außerirdische haben mich entführt!", einen langen Bericht über die UFO-Sekte der "Unarier", einen über ein Channel-Medium, das eine UFO-Landung der "Trigonier" angekündigt hatte und die vielen angereisten Schaulustigen dann enttäuschen mußte usw. Der Leser wurde in die Abgründe menschlicher Vorstel-lungen geführt, bis auch dem letzten klar wurde, daß der Phantasie mit Realitätsanspruch Grenzen gesetzt werden müssen.

Dann läßt WW Experten zu Wort kommen, die Wege aufzeigen könnten, wie man den "Wachstumsviren, die aus dem Hintern der UFOlogie wuchern", beikommen könnte. Er zitiert die UFO-Expertin Jenny Randles, die sich im britischen Magazin "SIGHTINGS" Nr. 11 der "teilweisen Verantwortung der UFO-Gemeinde annahm, welche eine Atmosphäre der Paranoia konstruiert." (Ich habe J.R. in Erinnerung als jene UFO - Forscherin, die in einem ihrer Werke ein UFO als Eule identifiziert hatte, die leuchtete, weil sie fluoreszierende Pilze gefressen hatte.) Sie hält die UFOlogen für "Kreuzritter für eine Wahrheit, wie sie sie sich selbst wünschen, alles andere wird nicht akzeptiert" (S. 39) und unterstellt ihnen, sie hätten Angst, sich mit aufgeklärten Fällen zu beschäftigen, da diese Erkenntnisse gegen sie gerichtet werden könnten. Die Suche nach "Mystery" würde den rationalen Verstand blenden und ginge einher mit einem Aufstand gegen das Establishment (S. 40). - Soweit Randles. (Hier werden wir erstmals in der Geschichte der Psychologie mit der "Angst vor dem Bekannten" vertraut gemacht; bisher war in der Psychologie nur das Unbekannte als Angstauslöser diagnostiziert worden.)

WW, der seine Arbeitsweise bei der Erforschung des UFO-Phänomens in einem kleinen Absatz zwischenschiebt, meint, "wir (CENAP) gehen ... von der Vorstellung aus, daß die UFO - Frage unsere wissenschaftliche Neugier weckt und WIR UFO - Forschung betreiben, um das UFO-Phänomen aufzuklären ... mit Logik und Rationalität." - Und weil ich diese Methode ablehne und zum Kreis der o.g. Spinner gehöre.

"...wird vielleicht auch verständlich, weshalb sich das DEGUFORUM vom März 1997 sich auf CENAP einschoß. Ja wir bekamen vorgeworfen rein gar nichts von dem verstanden zu haben, was dort H.-J. Heyer an absonderlichen Wirrheiten und Verschwörungs-Weltanschauungen bisher vorstellte - damit hat der Mann sogar recht, wir haben nicht nur nichts von seinem esoterischen Geschwafel verstanden, nein, wir haben sogar dabei den Kopf ungläubig geschüttelt, weil wir seine Aussonderungen in einem UFO - Forschungsorgan vorfinden. Darüber hinaus scheint Naivität und Vorurteilsbelastung der Weg des großen DEGUFORUM - Denkers zu sein, da er die schlichte Meinung vorträgt, wir würden behaupten, es es gäbe in Sachen UFOs nichts mehr zu erforschen, weil sowieso alles nur Partyballone sind. Welch hahnebüchender Unfug hier Verbreitung findet und damit die Leserschaft mit den üblichen Pauschalverurteilungen abimpft. So wirft man uns "extreme Wirklichkeits-verzerrung" vor, nur weil wir einen eingebrachten Vorfall mit dem Flug eines Miniatur-Heißluftballons deklarierten! Dem Eso -Philosophen Heyer ging dies nicht ein, weil das Objekt keinen Flechtkorb oder Gondel trug, zudem der Zeuge sein UFO ja klipp und klar als UFO bezeichnete und nicht als Party - Gag - Ballon. (Ähm, der vorgebrachte Einwand von uns, wonach DEGUFORUM den vielfach gesehenen Miniatur -Party - Gag - Heißluftballon nicht kennt und demnach nicht imstande sein kann, derartige Fälle zu identifizieren, bleibt hiernach immer noch erhalten, weil solche eben keinen Flechtkorb oder Gondel besitzen! Also, über was reden wir hier eigentlich unnötig, wenn Herr Heyer nicht zuhören und nichts dazu lernen will?) Und weil die Zeugen ja wissen, was sie sehen, haben sie immer recht und es ist nach dieser Denkungsart sogar verständlich wenn Heyer uns vorwirft, wir würden unsere Deutung eines Falles über die Aussage eines Zeugen stellen. Nun, wenn Heyer recht hat, dann gibt es nur 100 % unerklärte UFOs, weil ja alle UFO - Zeugen nicht wissen, was sie gesehen haben. Sobald man dann sagt, um was es sich gehandelt hat, wird man automatisch sich über die Aussage des UFO - Zeugen stellen müssen. Da haben wir natürlich ein Dilemma. Zudem scheint Heyer nicht glauben zu können, daß es UFO - Zeugen gibt, die LÜGEN können und verschiedene Untersucher daher unterschiedliche Aussagen abliefern müßen (siehe Fall Lohre aus Braunschweig). Natürlich kann dann nur WW in seinem Buch "UFOs: Die Wahrheit" den Fall "unglaublich verunstaltet" haben. Bei den Buhmännern der UFOlogie dann auch UFO - Meldungen "grauenhaft zugerichtet". ...

Interessant ist Werner Walters dramatisierender Textaufbau seines CENAP - Reports: Zu Beginn ein Paukenschlag, der das Leserinteresse weckt: ein Massenselbstmord meist junger Menschen. Dann ein erster Hinweis auf die Schuldigen - die "Medienhuren"und die "Esoteriker". Hier ist der Wiedererkennungseffekt groß: Jeder hat die eine oder andere Fernsehserie oder Talkshow gesehen, genießt das Gefühl der Kompetenz und Mitwisserschaft und will gern erfahren, wie andere Menschen diese Produktionen erlebt haben. Hier, im Bereich des Bekannten, kann WW seine Kompetenz, sein Urteilsvermögen beweisen: Jeder, der aufgrund seines Interesses eine gewisse Vorbildung zum Themenbereich des Übersinnlichen hat, wird das abgrundtiefe Niveau jener Talkshows beklagen und einem WW zustimmen, wenn dieser das ausspricht oder niederschreibt, was die meisten fühlen: "eoterischer Unfug!" Und wenn sein Wort dann auch noch von wissenschaftlichen Experten gestützt wird - wie kann man ihm dann NICHT glauben, WW bediene sich wissenschaftlicher Methoden bei seiner UFO-Forschung!?

Nachdem der Leser sich genötigt sieht, WWs Urteil über die Medienhuren, die Esoterik verbreiten, zu vertrauen, kann er es wagen, zu schreiben: "So wird vielleicht auch verständlich, weshalb sich das DEGUFORUM vom März 1997 ...." (siehe oben).

Meine Analyse WWs Textes bringt Aufschlußreiches zutage: Einerseits verwendet er gern satirische Überspitzungen ("Wachstumsviren aus dem Hintern der UFOlogie"), andererseits weigert er sich, solche Überspitzungen in meinen Texten wahrzunehmen und nimmt diese wörtlich, nur, um irgendwas vorbringen zu können, was als Kritik verstanden werden könnte. Daß mein Satz bezüglich der Forschungsergebnisse der CENAP, "es gebe nur Partyballone" nicht wörtlich zu nehmen ist, zeigt schon die Diskussion der dem Satz folgenden Sichtungsfälle aus frühen DEGUFORUM - Heften. Die ersten drei Fälle identifizierte WW als Ballone (nicht Party-Ballone), und diese haben nun mal Gondeln! (s. DEG. 13, S. 20, 21). Walter verschwendete 14 Zeilen seiner Schmähschrift (siehe Kursiv-Gedrucktes weiter oben), um mittels eines bewußten Fehlverständnisses Kritik an meiner Arbeit vorzutäuschen. Wer meinen originalen Text zu Rate zieht, erkennt sofort, wie sehr WW seine Argumentation willkürlich konstruiert. Er zitiert absichtlich in falschen Zusammenhängen. So ignoriert er meine Liste auf Seite 23 DEGUFORUM, in der ich WWs UFO - Identifizierungen aus seinem CENAP-REPORT zusammenfassend darstellte: "Die UFOs entpuppten sich als Ballonzug, Wetterballon, zweimal Miniatur-Heißluftballon, Party - Gag - Ballon, dreimal zerplatzende Wetterballone usw usw bis Fall 13. Die folgenden 13 Fälle waren Disco - Laser, ein Zeppelin, sowie die Planeten Venus, Mars und Jupiter." Diese Auflistung, ergänzt man sie mit Flugzeugen, Satelliten, Re-Entrys von Raketenstufen, Raketenstarts, Radarfehler, Vögeln und Ultraleichtfliegern, enthält WWs Standard - Interpretationen für annähernd alle UFOs. Diese eklatante Simplifikation faßte ich in jene Worte, für WW gäbe es nur Party-Ballone. Daß WW "nur einen eingebrachten Vorfall mit dem Flug eines Miniatur-Heißluftballons deklarierte", ist schlicht gelogen. Apropos Lügen: Alles, was von den o.g. Erklärungs-mustern abweicht, erklärt WW als gelogen oder Irrtum des Zeugen. Und da ihm, Werner Walter, als Experte Irrtümer (und Lügen) seltener vorkommen, sieht er sich berechtigt, seine Deutungen über das zu stellen, was die Zeugen schildern. Dazu steht er. Und er hält es für Wissenschaft! Was soll man dazu nur sagen?

Walters Methode läßt garnicht die Möglichkeit einer echten UFO - Sichtung (außerirdisches Raumschiff) zu! Selbst wenn eine Sichtung geschildert wird, bei der eine Verwechslung mit den o.g. irdischen Flugkörpern oder Planeten ausgeschlossen ist, greift er auf den Vorwurf der Lüge oder der Beweis-fälschung zurück. Unerklärliche Reste bleiben nicht zurück. Ich fürchte, für Walter gibt es nur einen "Beweis", den er anerkennen würde: Das offizielle Wort einer Staatsautorität, wenn es also heißt, es sei nun "amtlich bestätigt". Diese meine Einschätzung gilt freilich nicht nur für Walter, sondern für die große Mehrheit der Bevölkerung. Wir können daraus lernen, WER hier für die (offizielle) "Wahrheit" immer noch zuständig ist - wo die großen Magier sitzen! (Die Zeiten der un-bestechlichen Wissenschaft sind - sollte es sie jemals gegeben haben - längst vorbei!)

Auf meine in DEGUFORUM 13, S. 19 - 24 geäußerte Kritik ist WW kaum eingegangen. So hat er, bzw sein Co. Hansjörg Köhler, bis heute die Frage nicht beantwortet,

# wieso sie die in den ersten DEGUFORUM - Heften geschilderten UFO - Fälle trotz fehlender elementarer Informationen als Ballone identifizieren konnten (S. 20),

# warum er sich anmaßt, seine Deutung über die Sichtungsaussage des Zeugen zu stellen, obwohl er bestenfalls nur seine Deutung über die DEUTUNG des Zeugen stellen darf, im Falle, daß er tatsächlich über mehr Erfahrung verfügt, was ich bezweifele? Wie verträgt sich seine Methode mit dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit? (Beispiel Fall Lohre: WW strich Sichtungsaussagen, bzw bezichtigte den Zeugen, was diese Aussagen - nicht DEUTUNG - betrifft, der Lüge.)

# wie er über Esoterik urteilen kann, wenn er doch zugibt, davon nichts zu verstehen?

# wieso er den Gedanken an überlicht-schnellen Flug lächerlich findet, obwohl erstrangige Physiker sich nicht scheuen, öffentlich darüber nachzudenken und Artikel zB in der angesehendsten Wissenschaftszeitschrift "nature", aber auch in "Bild der Wissenschaft" und "Spektrum der Wissenschaft", zu verfassen?

# woher er davon wissen müßte, wenn es eine Verschwörung gäbe. (Er leugnet Verschwörungen, weil er nichts davon weiß.) Weiß er denn, was eine Verschwörung eigentlich ist? Ich wette, er stellt sich dabei sowas wie bei den James Bond - Filmen vor.

# mit welchem Recht er das Unbekannte mit dem Unbekannten erklärt ("Es war kein UFO, sondern ein Naturphänomen, das wir nicht kennen.")

# wieso er glaubt, daß drei unterschiedliche Erklärungen für eine Sichtung besser sein sollen, als eine (S. 23, Spalte 3).

Ich erwarte, daß WW sich endlich einmal über das Wesen von Rationalität, Logik und die wissenschaftliche Methode informiert, ehe er diese Begriffe und Werkzeuge weiterhin für sich in Beschlag nimmt. Er sollte sich einmal klarmachen, daß logische, rationale Gedankenketten niemals das Naturgeschehen widerspiegeln können. Dazu ist dieses zu komplex. Aus diesem Grund ist die Ratio immer partiell blind, und wenn man sich von ihr leiten läßt, begibt man sich in unlösbare Zwangslagen. Das wirkliche Leben ist und bleibt irrational - für Walter und wohl viele andere Menschen, zB die Wissenschaftsgläubigen, eine beängstigende Tatsache! Wie oft mußte ich erleben, daß man mit Hilfe rationaler, durchaus logischer Argumentation alles - und dessen Gegenteil - begründen oder rechtfertigen konnte (Man lasse einmal eine Bundestagsdebatte über sich ergehen!).
Es gibt hier Virtuosen, die sich mittels solcher Argumentationsketten in Wortgefechten immer durchsetzen, aber trotzdem nie wirklich recht haben. Die Ratio erklärt nichts wirklich; sie sucht einen Weg zu dem Ziel, welches das Leben selbst schon längst beschlossen hat. Doch dieser Weg ist nicht der, den man gegangen ist; er ist bloß der (weltliche), den man sich erklären kann, - den man sich aufgrund seiner Trivialität bewußt machen kann. Nur das Tun des Menschen hat die Koplexität, die dem Lebendigen gerecht wird! Man tut stets 10.000 Dinge gleichzeitig; in das rationale Bewußtsein gelangt davon nur ein verschwindend geringer Bruchteil. - Was, glauben Sie, ist der Grund für viele Menschen, ins fremdsprachliche Ausland zu reisen? - Nun, weil man dort den Menschen leichter an dessen Taten, statt seinen Worten, die man eh nicht versteht, mißt. Die nonverbale Kommunikation ist viel ehrlicher, als die sprachliche: Mit dem, was die Leute sagen, verstecken sie mehr, als sie zeigen. Da sind sie dumm, vernagelt, Produkte jahrelanger Gehirnwäsche, kaum mehr als Zirkusclowns. Aber bei dem, was sie tun, müssen sie ehrlich sein. Wer kennt schon seine eigene Körpersprache, und wer kann sie beherrschen? Man achte mal auf die Bewegungen unserer hochrangigsten Politiker. Sie wurden körper-sprachlich geschult, lernten Gesten der Überlegenheit und Dominanz. Aber diese Zeichen wirken gestelzt und hölzerns , weil sie nicht echt sind. Und ihre echte, ehrliche, da unkontrollierte Körpersprache verfälscht die Dominanzgestik und macht alle Bewegungen wieder ehrlich: Wenn zB Scharping majestetisch seine Hand auf Schröders Schulter legt, um Dominanz anzuzeigen, wirkt die Bewegung marionettenhaft. Nonverbal sagt Scharping also die volle Wahrheit: Meine Dominanzgestik wurde mir antrainiert!

Was Werner Walter sagt, bzw. schreibt, können wir im CENAP-REPORT nachlesen. Aber zu welchem Schluß kann man kommen, wenn man sich fragt, was er tut? Mein Verdacht ist der, daß all sein Tun - das Wegerklären tausender UFO-Sichtungen anderer Leute - der unbefriedigende Versuch ist, mit einer eigenen unerklärlichen UFO - Sichtung fertigzuwerden.

Hans-Joachim Heyer

 
Seitenanfang
Diskussion/Hypothese

Weltverschwöeungstheorien

Werner Walter ist nicht der erste, der mich als Vertreter einer wachsenden Schar weltverschwörungsgläubiger Irrer sieht, die ihren Verfolgungswahn auf die Außenwelt projiziert und überall auf der Welt Feinde sieht, die den "Verfolgten" ans Leder wollen. Diese Vorstellung sei den Verschwörungstheoretikern lieber, als die tatsächliche Nichtbeachtung, die sie in ihren ereignislosen, armseligen Leben erfahren.

Ich will nicht leugnen, daß es Menschen geben mag, die ihrem Leben durch das Lesen weltverschwörungsenthüllender Bücher ein wenig Würze zu geben versuchen und daß auch ich solche Bücher mit Lustgewinn konsumiert habe, aber auf die Verschwörung bin ich nicht durch sie aufmerksam geworden, sondern durch meine Praxis des täglichen Lebens. Ich habe mir mein Wissen nicht angelesen; ich habe es selbst erfahren. Nur dadurch konnte es geschehen, daß meine von Haßgefühlen besetzte Vorstellung des Begriffs "Weltverschwörung" einen Wandel vollzog. Heute ist für mich dieser Begriff nicht mehr negativ besetzt, sondern äußerst ambivalent: Er gilt mir als Synonym einer tragischen, schmerzvollen, aber auch abenteuerlichen, spannenden Weltschöpfung. Ich kann die Weltverschwörung weder vorbehaltlos gutheißen, noch radikal ablehnen. Die Welt ist eine Schöpfung aus Gut und Böse; Gleiches gilt für ihre Schöpfer: Wie kann man ihre Lügen Lügen nennen, wenn Realitäten daraus entstehen: reale Welten der Illusion - Illusion für die Eingeweihten, real für die Betrogenen. Und wenn ich diese Welten nur betreten kann, wenn ich bereit bin, mich der Lüge selbstvergessen hinzugeben? Warum sollte ich das Abenteuer nicht wagen?

Doch nun zum Thema: In meiner Jugend, als ich noch ein Linker war, hörte ich abends im Bett gern die kommunistischen Feindsender wie Radio Moskau, Radio Tirana oder Radio Neues Deutschland und ließ mich von deren Propaganda gruseln. Leider hielt das Gruseln nicht lange an. Die Hetze gegen den Kapitalismus und Werbung für den Sozialismus war dermaßen primitiv, daß selbst einem Jugendlichen wie mir schnell klarwurde, daß hier nicht weniger frech gelogen wurde, als im westdeutschen Werbefernsehen.

Die westlichen kapitalistischen Fernseh- und Radionachrichten hielt ich damals noch für propagandafrei, also für objektiv. Erst 15 Jahre später merkte ich, daß in unseren West-Massenmedien beim Thema Politik genausoviel gelogen wurde, wie damals bei Radio Tirana, nur 100 mal raffinierter - und deshalb von kaum einem Menschen bemerkt, selbst heute nicht.

Meine politische Ent-"Täuschung" setzte ein, als die SPD, vormals Opposition und erklärter Gegner des sog. "NATO-Doppelbeschlusses", nach welchem die Bundeswehr mit Pershing-Raketen "nach"-gerüstet werden sollte, innerhalb von drei Wochen ihre Meinung radikal änderte, nachdem sie (mit Hilfe der F.D.P.) an die Regierung gewählt wurde. Da wurde mir langsam klar, daß die Politik nicht von den Parteien gemacht wurde und daß alle öffentlichen Verlautbarungen der Politiker leeres Geschwätz waren. Der ewige Streit zwischen Regierung und Opposition war nichts als Schmierentheater: Ablenkung von der wahren Politik. Was weiß denn das Volk von der wahren Politik der Parteien, um kompetent wählen zu können? Nichts! Das Wählen - ja die ganze Demokratie - ist eine Farce, wenn der Wähler nicht in die wahre Politik eingeweiht ist! Was wissen die Wähler von der Geheimdiplomatie und den wahren Problemen des Staates? Nichts! Sie wählen stets die Katze im Sack! Sie ahnen bestenfalls, daß unsere Demokratie nur eine harmlose Show ist, und daß hinter den Kulissen eine brutale Welt lauert. Und sie sind ganz froh, durch diese Kulissen vor den Monstern einigermaßen geschützt zu sein. Warum also sollte man die brutale Wahrheit auf die Bühne zerren? Sie würde nur betroffen machen. Also wählen wir das Schmierentheater, die Demokratie. Diese Wahl muß anerkannt werden, denn diese Wahl ist keine Farce. Die Politiker sind dann nicht mehr zu verachtende Schwindler, sondern sie tun genau das, wozu sie vom Wähler beauftragt wurden: ihn von der Wahrheit abzuschirmen! Die Politiker wissen, daß sie nicht gewählt werden, wenn sie die Wahrheit sagen, sondern weil sie lügen.

Nachdem ich also herausgefunden hatte, daß unsere Demokratie unecht ist, weil die Wähler nicht genügend informiert sind, um kompetent wählen zu können, fragte ich mich, warum die kommunistischen Radiosender, die doch sonst keine Gelegenheit ausließen, unser politisches System schlechtzumachen, diese von mir gefundene Entlarvung nicht propagieren. Unsere Demokratie hat so viele wirkliche Mängel. Der größte Mangel ist der, daß das Volk nicht herrscht - nicht herrschen kann und, solange der Einzelne egoistisch ist, nicht herrschen darf! Warum wurde nie über diese wirklichen Mängel gesprochen? Warum entlarvten die Kommunisten unser System nicht wirklich?

Meine Antwort war die, daß ich von Leuten, die den ganzen Tag nichts besseres zu tun hatten, als öffentlich zu lügen, nicht die Wahrheit erwarten durfte. Außerdem waren sie Sklaven einer Gruppe von Mächtigen und hatten sicher nicht die Erlaubnis, bzw die Fähigkeit, die Methoden der Machtausübung zu verraten, die überall die gleichen sind. In diesem Punkt sind sich alle Mächtigen weltweit einig: niemals die Methoden der Machtausübung verraten! Ich begann zu ahnen, daß der Kalte Krieg nur vordergründig - vor den Kulissen - herrschte; hinter den Kulissen wurden andere Spiele gespielt, zB das Spiel der Mächtigen gegen die Völker. Ich entdeckte, daß unsere Politiker unsere Demokratie ebensowenig ernst nahmen, wie die kommunistischen Politiker den Kommunismus, bzw. den Sozialismus! Ihre Taten sprachen für sich: Sie wollten nie Volkes Willen (gibt es den?) durchsetzen, sondern immer nur ihre eigenen. Ihr Demokratie- und Sozialismusgeschwätz diente nur dem Lügentheater.

Gesetzt den Fall, meine Einschätzung der politischen Wirklichkeit stimmt - welche Bedeutung haben dann die vielen Skandale, denen auch Politiker zum Opfer fallen? Sind sie nicht Beweise für gesunde Selbstreinigungskräfte in unserem System? Ist unsere Presse ein Kontrollorgan für die Politik? Haben wir der Presse eine ehrlichere, vertrauens-würdigere Politik zu verdanken, weil sie Machtmißbrauch an den Pranger stellt?

Nein! Nein! Nein! - Leider wurde ich auch hier herb enttäuscht! Es ist zwar wahr, daß die Presse durch Veröffentlichung politischer Skandale langfristig das Vertrauen in die kritisierte Regierung stärkt, aber wahr ist auch, daß die Regierung genau das wünscht. Köpfe sind austauschbar. Hin und wieder wird einer geopfert. Die Presse hat ihren Fraß. Die Politik gewinnt verlorenes Vertrauen zurück. Die Presse kontrolliert nicht die Politik; sie lebt mit ihr in Symbiose. Und die Massenpresse kennt das Gesetz der Macht. Niemals würde sie diese Geheimnisse preisgeben. Journalisten, die von Politikern Interviews wollen, werden sich hüten, sie zu kritisieren. Man spuckt nicht in den eigenen Freßnapf! Die Presse schützt die Politik. Deshalb deckt sie nie Hintergründe auf. Presse-Talkshows kommen nie zu Ergebnissen. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, die Journalisten glauben, was sie schreiben. Sie haben sich so an ihre hohlen Phrasen gewöhnt, daß sie glauben mögen, sie stellen die einzige Möglichkeit öffentlicher Verlautbarung dar. Man vergegenwärtige sich nur mal ihr Arbeitslosengeschwätz der letzten Jahre. Ja ja, so programmiert man Neurosen...

Unter Weltverschwörung verstehe ich schlicht und einfach, daß dem Volk in Schule und Fernsehen nicht die Wahrheit, soweit sie erforscht ist, gelehrt wird, sondern daß ein Weltbild propagiert und mögliche Kritik daran tabuisiert wird. Den Menschen wird nicht gesagt, daß sie in einem Weltbild leben, sondern ihnen wird weisgemacht, daß sie in der "objektiven Realität" leben - daß das Bild die Realität sei, und daß sie sich dieser "Realität" fügen müssen. Dazu wird die Naturwissenschaft in höchstem Maße mißbraucht. Haben die Menschen erst einmal die nat.-wiss. Methode akzeptiert, braucht man sie nicht mehr von Fall zu Fall belügen, wie man es noch bei kleinen Kindern tut; die Akzeptanz der empirischen Methode selbst sorgt dafür, daß die Leute alles ihr Widersprechendes ausblenden. Sie kommen dann von selbst dahinter, daß Träume wertlos sind, daß es eine Seele, Götter und Dämonen nicht gibt, daß Leute, die die Welt mit anderen, als empirischen Augen betrachten, als verrückt zu gelten haben usw.

Die Menschen, die das nat.-wiss. System "gefressen" haben, erkenne ich daran, daß sie ihre "Sinnkrise" resignativ "überwunden" haben. Man paßt sich an - verliert seine Träume, seinen Willen, seine eigene, unverwechselbare Form, also sich selbst. Aber die Umgebung erkennt es an, verleiht dem Angepaßten EGO, der nun darauf achten wird, die neue Gestalt zu bewahren. Fortan denkt er nur noch in den Bahnen der öffentlich genehmigten "Vernunft". In den Fernsehendlosserien wird gelehrt, wie es geht: Jemand hat einen (grundsätzlich verrückten) Willen, macht damit schlechte Erfahrungen und "erkennt" am Schluß, daß es besser ist, "vernünftig" zu sein. Selt-samerweise ist diese öffentlich akzeptierte Vernunft höchst irrational, aber wie soll man dies ohne Maßstab bemerken? Vernunft ist unkreativ, langweilig, tot. Je vernünftiger man ist, desto größer ist das Verlangen, ihr zu entfliehen, und desto geringer ist die Aussicht, daß es gelingt: Man flieht in die Fremde - macht Urlaub auf den Bahamas. Aber man erzwingt das Scheitern der Flucht, indem man am Ziel der "Träume" nicht auf Gewohntes ver-zichten will: auf das frische Frühstücks-brötchen, auf die Bildzeitung, auf das kühle Bier, auf Recht und Ordnung usw. Das heißt: Man fährt zwar in die Fremde, aber man läßt sie nicht an sich heran; schließlich will man seine Ruhe (Gewohnheit) haben. Was bleibt ist Frust.

Sackgassen der Lebensorganisation wie diese sind den Wissenden bekannt. Aber nirgendwo wird dem darin verirrten Mensch herausgeholfen. Im Gegenteil! Die Industrie und die Politik lebt von Sackgassen. Psychologen, Ärzte und Priester, die es wissen sollten, sind heute die Meister im Verschleiern dieser Sackgassen. Sie sind Systemdiener. Sie sind an arbeitsfähigen, nicht an gesunden Menschen interessiert. Oder haben Sie schon mal erlebt, daß einer dieser Gesellen Ihnen sagt, Ihren wahren Willen herauszufinden und ins Leben einzubringen? Nein! Und wir wissen auch warum nicht: Weil wir sie zum Teufel schicken würden! Schließlich haben wir selbst die größte Angst vor unseren verborgenen Verrücktheiten.

Die Wissenschaft hat schon lange herausgefunden, daß die Welt ein Mythos ist - Geschichten, die die Menschen sich erzählen und auf der Bühne des Lebens spielen - mit Geburt und Tod als Auftritt und Abgang. Aber wehe, jemandem gefällt die Rolle nicht, die er spielen soll und denkt sich eine andere Geschichte aus, in der er sich besser gefällt, dann schlägt die "Weltverschwörung" zu, indem man von jedermann gezwungen wird, die zugedachte Rolle bis zum bitteren Ende durchzustehen.

Unter "Weltverschwörung" verstehe ich also, daß es meiner Auffassung nach eine kleine Elite von Leuten gibt, die um den mythischen Charakter der Welt, die die Völker für die Realität halten, nicht nur kennen, sondern auch an dessen Weiterentwicklung beteiligt sind. Alles Gute und Schlechte kommt "von oben"! Ist zB unser Schulsystem marode, dann hat kein Kultusminister oder Schuldirektor versagt: Der Minister hat`s so gewollt, und der Direx wurde entsprechend seiner (UN-) Fähigkeiten erwählt. Ich zum Beispiel habe in der Schule fast nichts gelernt. Warum nicht? Weil die Lehrer selbst nichts wußten und konnten! Weil denen der Lehrstoff langweilig war, wurde er es mir auch. Ich brauchte drei Jahre, bis ich den den Sportunterricht "verarbeitet" hatte - und wurde Radrennfahrer! Über zehn Jahre brauchte ich, bis ich den Frust des langweiligen Deutschunterrichts hinter mich gelassen hatte und beginnen konnte, Gedichte und Prosa zu schreiben. Der Religionsunterricht war so mies, daß ich mich jahrzehntelang für einen Atheisten hielt. (Erst vor wenigen Jahren erfuhr ich aus berufenem Munde, daß fast alle christlichen Priester und Lehrer ihren Glauben nur heucheln!). Ich lernte von ihnen natürlich nur den Unglauben - was die Minister und Kirchenheinis genau so angestrebt hatten. Im Biologieunterricht lernte ich nichts als Unfug: Nicht einmal ging`s raus in die Natur! Der Minister wünschte Entfremdung! Sonst wäre ich nicht bereit für den Kapitalismus, der von Naturzerstörung lebt und anders nicht leben kann. Der Pauker wußte von seiner Uni-Gehirnwäsche natürlich nichts.

Aber nicht nur dieser Kindesmißbrauch kommt von oben; auch die sog. "Emanzipation der Frau" kam nicht etwa von den Frauen, sondern war politisches Kalkül: Die Frauen haben sich nicht befreit; etwas ist mit ihnen gemacht worden, und sie wissen nicht, was!

Auch die derzeitige Zerstörung der deutschen Sprache ist nicht vom Volk gewollt! Sie wurde von oben verordnet. Man will die amerikanische Sprache zur Weltsprache erheben. Wir können nun dafür oder dagegen sein. Fakt ist, daß wir nicht gefragt wurden: Weltverschwörung! (Was meinen Sie, wie oft ich schon Wörter wie "Highlights" oder "Update" aus Manuskripten, die zur Veröffentlichung in DEGUFORUM eingesandt wurden, getilgt habe! - Wir sind alle Opfer der Sprachzerstörung!) Ich bin gegen eine Weltsprache, weil ich weiß, was wir zu verlieren haben: alles. Wer über die Sprache herrscht, herrscht über alles. Man kann ein Volk nur zerstören, wenn man dessen Sprache zerstört. Hier wird heimlich von oben elementar in unser Leben eingegriffen. Wenn das keine Weltverschwörung ist!

Hans-Joachim Heyer

 

Über DEGUFO.de •  Kontakt •  © Copyright DEGUFO eV

Seitenanfang